Jens Spahn

„Es gibt keine Einheitskinder, deshalb wollen wir auch keine Einheitsschulen.“

(Foto: dpa)

Politischer Aschermittwoch Warum sich Merkel-Kritiker Spahn ungewohnt zahm gibt

Der Jungstar der CDU will in die Regierung. Deshalb präsentiert sich Spahn auf dem politischen Aschermittwoch zurückhaltend.
16 Kommentare

ApoldaJens Spahn ist Westfale. Und als Westfale ist man von Haus aus trinkfest. Spahn setzt sein zu drei Viertel gefülltes Weizenglas an und trinkt es in einem Rutsch herunter. Die 1300 CDU-Mitglieder johlen. So haben sie sich den Aschermittwoch in der Vereinsbrauerei in Apolda vorgestellt: zünftig, mit Spahn als Einheizer.

Jens Spahn ist auf dem „größten politischen Aschermittwoch in Ostdeutschland“ der Stargast. Schon vor einem Jahr habe ihn der Landesverband eingeladen, erzählt Thüringens CDU-Landeschef Mike Mohring. Mit anderen Worten: Spahn ist ziemlich busy.

Die alles überlagernde Frage an diesem Abend lautet, ob Spahn in Zukunft noch mehr zu tun haben wird. Aktuell ist er Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Zufrieden ist er damit nicht. Spahn will in der neuen Regierung ein Ministeramt. Aber kriegt er es auch?

Mohring erklärt das so: „Entweder er ist nichts, oder er ist was. Wenn er was ist, ist es gut für uns. Aber dass er selbst nicht weiß, was er werden wird, damit konnte keiner rechnen.“ Gelächter im Saal.

In Berlin kursiert seit der Einigung in den Koalitionsverhandlungen eine Kabinettsliste. Spahn steht nicht drauf. Dennoch kann sich der CDU-Hoffnungsträger Hoffnung in eigener Sache machen.

Die Liste mit den Ministernamen ist angeblich nicht in Stein gemeißelt. Und Kanzlerin Angela Merkel kündigte am Sonntag nach Kritik aus den eigenen Reihen an, im neuen Kabinett frische Gesichter zu präsentieren.

Vor dem CDU-Bundesparteitag am 26. Februar will Merkel ihre Riege bekanntgeben. Spahn hofft, dann draufzustehen. Der 37-Jährige, der als „Merkel-Kritiker“ gilt, steht deshalb unter besonderer Beobachtung.

Auch bei seinem Auftritt in Apolda. Dieser Teil Thüringens tickt politisch rechts. Die AfD holte hier bei der Bundestagswahl 25 Prozent. Die Thüringer CDU gilt ebenfalls als eher konservativ. Vor der Toilette sagt ein CDU-Mitglied zum anderen: „Ein Glück gibt’s keine Jamaika-Koalition. Die Grünen, das geht ja gar nicht.“

Spahn hat sein Outfit auf die Umgebung abgestimmt. Mit Trachtenjacke zieht er in die Apoldaer Vereinsbrauerei ein, schüttelt eine Hand hier, eine Hand da, ein älterer Mann flüstert ihm etwas ins Ohr, Spahn lächelt.

An der Bühne angekommen wird er als „junge Gallionsfigur des konservativen Rest-Flügels der CDU“ vorgestellt. Als seine Parteifreunde etwas später den lang ersehnten Hering verdrücken, flötet Spahn zur Blaskapelle mit, bis sich eine Schlange vor ihm bildet. Die Leute stehen für ein Selfie mit ihm an.

An einem Abend wie in Apolda geht es auch immer für eine Partei darum, sich ihrer selbst zu vergewissern. Spahn versucht in seiner Rede, seinen Teil dazu beizutragen.

Er sei nicht bereit zu akzeptieren, dass es eine etablierte rechtspopulistische Kraft im Land gibt, sagt Spahn. Die Union müsse auch in einer großen Koalition unterscheidbar von anderen Parteien bleiben. Nur so könne die CDU die AfD überflüssig machen.

Was Spahn darunter versteht, ohne es auszusprechen: Die CDU darf ihre konservative Seele nicht weiter vernachlässigen.

Man gelte ja schon häufig als rechtsradikal, nur weil man pünktlich bei einem Termin erscheine, so Spahn. „Pünktlichkeit hilft im Leben.“ Genauso wie Leistungsbereitschaft. Es müsse Schluss sein mit der „Ideologie der Gleichmacherei. Es gibt keine Einheitskinder, deshalb wollen wir auch keine Einheitsschulen.“

Sowieso müsse die Familie die „Kerninstitution“ für die Erziehung sein, nicht staatliche Schulen. So geht es die ganze Zeit weiter. Es gebe eine Sehnsucht nach Heimat, Bürgerlichkeit, kultureller Sicherheit.

Überraschend selten wird Spahn polemisch. Eine Ausnahme macht er nur, wenn er die SPD mit dem „Denver-Clan“ vergleicht und sich fragt, ob nach Schulz‘ Schwester und Gabriels Tochter bald auch Nahles' Cousine sich zur Lage in der SPD zu Wort meldet.

Angela Merkel nennt Spahn mit keinem Wort. Die große Koalition sei mit einem „Anfangskater“ gestartet, Deutschland befinde sich in einer politischen Lage, wie es sie vielleicht in 70 Jahren nicht gegeben habe. Das war es zur aktuellen Lage.

Direkt nach Ende der Verhandlungen mit der SPD hatte Spahn noch gemurrt, die Beschlüsse erinnerten ihn an 2013 nur mit dem Unterschied, dass jetzt noch mehr Geld ausgegeben werde.

Manch einer in der CDU meinte, das war es für ihn mit dem Ministeramt. Die Kanzlerin verzeiht offenen Widerstand nicht. Zumal Spahn schon öfter gegen Merkel aufbegehrt hat.

Doch Merkel ist angeschlagen. Wenn sie Spahn ins Kabinett holt, hätte das auch Vorteile für sie: Ihr Quälgeist müsste sich künftig an die Kabinettsdisziplin halten. Und sie könnte mit seiner Ernennung die Konservativen wie die Jungen in der Partei ruhig stellen.

Spahn weiß das. Deshalb ist er im Moment so vorsichtig. Als er gerade über die Flüchtlingskrise redet und die Grenzen, was ein Land imstande ist zu leisten, bekommt er ein neues Bier hingestellt. Im Saal geht die Stimmung direkt hoch. Schafft er noch eins?

Spahn lässt sich darauf nicht ein. „Noch eins geht nicht.“

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16 Kommentare zu "Politischer Aschermittwoch: Warum sich Merkel-Kritiker Spahn ungewohnt zahm gibt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Herr Peer Kabus
    15.02.2018, 13:47 Uhr
    Oje, Herr Spiegel,

    meinen Sie, dass das passende Thema ist, sich zu outen?"

    War kein Outing ;)
    Wer zwischen den Zeilen meiner Kommentare gelesen hat, wusste es schon lange, aber was soll`s :)

  • https://www.focus.de/wissen/klima/erneuerbare-energie-aegypten-baut-die-groesste-solaranlage-der-welt_id_8469150.html

    ----------------------------------

    Die Wähler und die CDU Mitglieder als auch die Deutsche Wirtschaft kann nicht und darf nicht an Frau Merkel verzeihen was diese an die deutsche Nation mit Ihrer Energie wende geschadet hat durch abschalten von Atom Kraftwerke in Deutschland.

    Von Strom importieren aus Afrika war sogar die Rede dabei, während sich die afrikanische Staaten bereits zu genüge geäussert hatten selber den selbst produzierten strom mehr in Ihrer wachsender Wirtschaft einfliessen lassen zu wollen.

    Nun hat Ägypten bewiesen die Zukunft zu verstehen und macht Saudi Arabien nach.

  • Oje, Herr Spiegel,

    meinen Sie, dass das passende Thema ist, sich zu outen?

  • Ich liebe diesen Spahn.

  • @Herr Clemens Keil
    Ihre Liebeserklärung an Merkel hätten sie kürzer fassen können.

  • Der Aschermittwoch hat es gezeigt. Im Sprüche klopfen sind alle Politiker stark. Außer Frau Merkel, sie kommt mit dem abgedroschenen Spruch: "Wir schaffen das ". Dieser Satz hat der CDU zig Prozente bei der letzten Wahl gekostet. sie ist nicht mehr lernfähig in dem Alter oder hat sie als Atomphysikerin zu viel Strahlung ab bekommen. In ihrer GST-Uniform aus alten DDR Zeiten machte sie genau die richtige Figur. Sie erinnert mich an Inge Meisel im Alter . Alle fanden sie gut, doch keiner wollte sie mehr sehen. Man kann ja auch verstehen das sie Nachholbedarf in Sachen Reisen hat, aber was zu viel ist, ist zu viel. Wie sang schon einst Gröhnemayer: Kinder an die Macht.

  • Ganz schön arrogant, dieser Spahn! Da hat er doch kürzlich davor gewarnt, dass unter den Flüchtlingen Homophobie noch weit verbreitet wäre. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Hat Spahn gegen Homophobie auch einen Gesetzesvorschlag wie gegen den Islam in der Tasche?
    Aber mal ernsthaft: Seit wann haben in Deutschland Homosexuelle erste Gleichstellungsrechte? Und welche Parteien haben sich am längsten vehement dagegen gewehrt?
    Ich habe Sorge, dass sich Jens Spahn total überschätzt. Meine Sorge teilt er übrigens mit seiner Mit-Islam-Gesetz-Initiatorin, Frau Klöckner.
    Im übrigen, dass sich die CDU und damit auch ihre Repräsentanten als einer der Lügner der wachsenden sozialen Ungleichheit in unserm Land geoutet haben, war ja bis vor kurzem auf deren Homepage schön nachzulesen! Das konnte dann auch nicht mehr durch ein plötzliches, aufdringliches Winken mit 15 Mrd EUR als Steuergeschenk geheilt werden.
    Und wenn man soziale Ungleichheit und damit auch soziale Gerechtigkeit infrage stellt, gibt es auf den von Herr Spahn richtigerweise genannten Feldern wie z.B. Rente, Arbeit und Soziales etc. auch nichts zu tun, also muss man nur dem "Weiter-So"-Credo der Union folgen. Insofern geht sein Vorwurf an die entsprechenden SPD-Minister natürlich auch voll ins Leere. Wobei wir ja alle wissen, wer auf diesen Feldern die Bremser waren und sind. Also, Herr Spahn, diese Wahrnehmung werden Ihnen nicht mehr allzu viele Wähler abnehmen! Schon gar nicht in ihren arroganten Schlammschlachten-Auftritten.
    Im übrigen:
    "Nicht Alte gegen Junge,
    sondern Arme gegen Reiche!
    Egal, ob jung oder alt,
    gemeinsam sind wir stark!"

    https://youtu.be/9Steya7Qtr8
    https://youtu.be/zH2tEG2G-aw
    https://youtu.be/KYm5ZKtjX9A

    Viel Spaß und neue Erkenntnisse beim Anhören!

  • Spahn völlig überschätzt?
    Bisher ist mir Spahn vorwiegend durch seine Arroganz aufgefallen. Im Zusammenhang mit dem G20-Chaos gab er sich auch noch unanständig! Außerdem lässt er sich gerne von der AfD für seine Flüchtlingspolitik loben. Gerne kritisiert er den SPD-Altkanzler Schröder wegen seiner "pro-russischen" Aktivitäten, verschweigt aber seine eigenen aktuellen Interessenkollision als Mitinhaber eines Unternehmens für Steuersoftware. Und kürzlich schwang er sich auch noch zum Augenspezialisten hoch: der SPD bescheinigte er durchgängig, auf dem linken Auge blind zu sein, während er z.B. offensichtlich nicht erkennt, dass De Maziere beidseitig blind ist: De Maziere ist neben Dobrindt, Schäuble und von der Leyen einer der großen Versager in der Unions-Minister-Riege: Multi-überfordert, immer noch Burka, ist für den ganzen BAMF-Schlamassel verantwortlich, Sicherheitsrisiko ersten Ranges (vgl. Franco A., Fall Amri), Grundgesetz-Hacker, gibt sich fälschlicherweise als Trojaner aus, verkündet viel, bringt wenig voran, selbst Merkel hat ihm wg. schlechter Performance in der Flüchtlingspolitik Altmeier vor die Nase gesetzt, und Seehofer wollte ihn gar durch seinen schwarzen Scherriff Herrmann ablösen! Jetzt macht es Seehofer selbst!

    Und im übrigen: nach der Wahl ist vor der Wahl:
    http://youtu.be/0zSclA_zqK4
    Viel Spaß und neue Erkenntnisse beim Anhören!

  • Beim Thema soziale Ungleichheit fällt übrigens Jens Spahn zuallererst ein, dass das Bereitstellen von Arbeitsplätzen auch eine soziale Leistung sei! Klares Signal, auf welcher Seite Jens Spahn auch in der sozialen Frage steht!

  • @ Rainer von Horn 15.02.2018, 09:17 Uhr

    "... in der von Merkel komplett auf links gedrillten CDU nicht mehr erkennen."

    Richtig, die CDU ist wirklich weitestgehend eine linke Partei geworden.

    Allerdings ist das, was vom national-konservativen Flügel der AfD (Höcke &Co. ) kommt, so übel, daß die AfD als Alternative für mich derzeit nicht tragbar ist.

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