„Politischer Strippenzieher“
Axel Nawrath: Pitbull in Nadelstreifen

Staatssekretär Axel Nawrath kontrolliert die Vergabe von Staatshilfen an notleidende Banken. Hinter seiner Zimmernummer 3 351 in der dritten Etage des Bundesfinanzministeriums verbirgt sich ein penibel aufgeräumter Schreibtisch, wohlsortierte Regalwände mit Aktenordnern und Büchern. Mittendrin steht ein kahler Besuchertisch aus mattgrauem Aluminium. Hier arbeitet scheinbar der Idealtyp eines deutschen Beamten. Doch dieser Eindruck täuscht gewaltig.

BERLIN. Axel Nawrath, 54, ist einer der mächtigsten und einflussreichsten Beamten der Bundesregierung. Einer, der von Freunden als "kluger Kopf" und "politischer Strippenzieher" gelobt wird, und sich beim politischen Gegner den Ruf eines "Bulldozers" erarbeitet hat. Nawrath ist nicht nur einer der drei beamteten Staatssekretäre von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und zuständig für die Steuerpolitik, sondern auch Vorsitzender des Lenkungsausschusses des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung. Seine Mission ist einfach und klar: Nawrath soll aufpassen, dass für den Bund die Konditionen stimmen, wenn angeschlagene Banken Geld aus dem 500-Mrd.-Euro-Rettungspaket der Regierung beantragen. Ein Pitbull in Nadelstreifen.

Für Steinbrück ist Staatssekretär Nawrath, der sich eigentlich um so schnöde und komplizierte Themen wie Erbschaftsteuer, Zinsschranke oder Funktionsverlagerung kümmert, genau der richtige Mann für diesen Job. Bevor Nawrath im Frühjahr 2006 ins politische Berlin zurückkehrte, hat er als Managing Director für die Deutsche Börse gearbeitet. Aus dieser Zeit kennt er die Frankfurter Finanzszene so gut, dass er mit Bundesbank-Präsident Axel Weber befreundet ist und etliche Top-Banker wie Commerzbank-Chef Martin Blessing duzt.

Kumpel Blessing hat die Härte des Staatssekretärs als Erster zu spüren bekommen. Bei den Verhandlungen zum milliardenschweren Rettungspaket der Commerzbank vor zwei Wochen hat Nawrath, so berichten Teilnehmer der Runde, mehrmals mahnend die Hand gehoben und ein "Nee, Martin, so läuft das nicht" hinterhergeschoben. "Wir müssen da eben ein bisschen streng sein, schließlich geht es um das Geld der Steuerzahler", sagt Nawrath. Er werde jedenfalls nicht zulassen, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, der Bund habe sich von den Banken über den Tisch ziehen lassen.

Gleichzeitig versteht jemand wie Nawrath die Belange der Banken. So mache es keinen Sinn, sagt er, dass der Staat massiv in die Geschäftspolitik von eigentlich gesunden Kreditinstituten eingreife. Hier sei Augenmaß gefragt, sagt Ex-Manager Nawrath.

Zur Unterstützung hat sich der Staatssekretär zwei Finanzmarktprofis zur Seite geholt: Günther Bräunig, Vorstandsmitglied der KfW, und Carl Heinz Daube, Geschäftsführer der Finanzagentur des Bundes. Mit ihnen will Nawrath auch den nächsten Rettungsfall erfolgreich abwickeln. Axel Wieandt, der Chef der Hypo Real Estate, kann sich auf harte Verhandlungen einstellen, sollte sein Haus Staatshilfen beantragen. Nawrath selbst sieht das entspannt: "Ich erledige nur meinen Job."

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
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