Politologe Patzelt im Gespräch
Wahlstrategie: Was Merkel jetzt tun muss

Nach den Verlusten der CDU bei den Landtagswahlen steht die Bundesparteispitze unter Zugzwang: Wahlkampfstrategie für die Bundestagswahl korrigieren oder Kurs beibehalten? Der Dresdner Politikwissenschaftler Patzelt hält allenfalls minimale Veränderungen für möglich.

Handelsblatt.com: Was ist die Botschaft für die Bundestagswahl am 27.September?

Werner Patzelt: Sie lautet: Wer eine schwarz-gelbe Koalition will, darf am Wahltag nicht zu Hause bleiben - und wer die SPD als starke deutsche Partei erhalten will, darf ihr nicht schon wieder einen Denkzettel verpassen.

Verändert der gestrige Wahlsonntag auch etwas an der Ausgangslage der CDU für die Bundestagswahl?

Er macht klar, dass es um einen Lagerwahlkampf geht: Entweder bekommt das bürgerliche Lager den Zuschlag - oder es steht in zwei Jahren ein der Selbsterhaltung dienender Wechsel der als Juniorpartner in eine Große Koalition gezwungenen SPD an die Spitze eines Linksbündnisses ins Haus. Es wäre wünschenswert, wenn jene Deutschen, die sich über das Fehlen von "echten Wahlkampfthemen" beklagen, endlich begreifen, dass genau dies die zentrale Entscheidungsfrage der kommenden Bundestagswahl ist.

Werden die Einbußen der CDU im Saarland und in Thüringen der Bundeskanzlerin Merkel den Restwahlkampf verhageln?

Nicht, wenn die Unionsführung den Wählern vor Augen führt, dass es um die politische Grundrichtung des Landes geht. Auf diese Weise könnte sie sogar von jenen neuen Linksregierungen in Saarland und in Thüringen profitieren, die zu bilden ganz in der politischen Logik der dortigen Wahlergebnisse liegt. Die SPD könnte nicht einmal viel dagegensetzen: Zögern bei der Regierungsbildung in beiden Ländern wird sie als unentschlossen erscheinen lassen - und das honoriert der Wähler nach allen Erfahrungen nicht.

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Union nach den Verlusten vom Sonntag den Wahlkampf noch stärker auf Merkel zuschneiden wird?

Noch stärker lässt sich der Wahlkampf ja gar nicht auf die Kanzlerin zuschneiden! Also wird er in dieser Hinsicht ziemlich unverändert bleiben.

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