Polizei fasst mehr Schleuser
Das brutale Geschäft mit den Flüchtlingen boomt

Die Not der Flüchtlinge ist für Schleuser ein lukratives Geschäft. Kein Wunder, dass die Polizei in Deutschland deutlich mehr Schlepper fasst. Auf dem Mittelmeer sind bei einem Unglück erneut Dutzende Menschen gestorben.
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BerlinIm Zuge der aktuellen Flüchtlingskrise boomt in Deutschland die Schleuserei: Im ersten Halbjahr seien 1420 mutmaßliche Schleuser festgenommen worden, berichtete die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf Angaben der Bundespolizei. Im ersten Halbjahr 2014 seien es noch 773 gewesen. Damit hat sich die Zahl der von der Polizei gefassten Schleuser im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelt. Insgesamt habe die Polizei im vergangenen Jahr 2149 Schleuser aufgegriffen. 2013 waren es demnach noch 1535.

„Mit der Ware Mensch lässt sich zur Zeit mehr Kasse machen als mit Waffen und Drogen“, sagte Bundespolizeipräsident Dieter Romann der Zeitung. Mit Hilfsbereitschaft habe das nichts zu tun: „Wenn in einem Kleintransporter auf der Ladefläche 45 Personen eingepfercht sind, ist das lebensgefährlich.“ Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 2149 Schleuser in Deutschland aufgegriffen. 2013 waren es noch 1535.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte, die Polizeikontrollen an den Grenzen weiter auszubauen. „Angesichts der riesigen Probleme an der südbayerischen Grenze zu Österreich muss die Bundespolizei deutlich verstärkt werden“, sagte Herrmann. Als Erfolg verbuchte der Minister, dass allein in Bayern derzeit mehr als 500 Schleuser in Untersuchungshaft sitzen.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, rief die Bundesregierung auf, mehr Druck auf die anderen EU-Staaten auszuüben und mit stationären Grenzkontrollen zu drohen. „Unsere Nachbarstaaten dürfen Flüchtlinge nicht einfach durchreisen lassen. Falls sie dies weiterhin tun, benötigen wir stationäre Grenzkontrollen an den deutschen Grenzen“, sagte Wendt. Allein in Bayern würden zusätzlich tausend Bundespolizisten benötigt. Über das Bundesland reisen nach Angaben der Bundespolizei täglich rund tausend Menschen unerlaubt nach Deutschland ein.

Bei der Fahrt übers Mittelmeer sind erneut zahlreiche Flüchtlinge ums Leben gekommen: Mindestens 40 Menschen starben im Laderaum eines überladenen Fischerbootes vermutlich an den Abgasen. Mehr als 300 Menschen seien gerettet worden, darunter 45 Frauen und 3 Kinder, schrieb die italienische Marine am Samstag im Kurzmitteilungsdienst Twitter. Das Schiff geriet vor der libyschen Küste südlich der italienischen Insel Lampedusa in Schwierigkeiten.

„Ein schreckliches Bild, das die Besatzung schwer getroffen hat: Dutzende Leichen im Laderaum angehäuft“, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa den Kapitän des Rettungsschiffes der Marine. Die Überlebenden und die Leichen sollten nach Italien gebracht werden.

Bei der Überfahrt von Nordafrika Richtung Italien geraten immer wieder schrottreife, mit Flüchtlingen völlig überladene Schiffe in Seenot. Italiens Innenminister Angelino Alfano warnte, dass das aktuelle Unglück nicht das letzte sein werde, wenn die Probleme im Krisenland Libyen nicht gelöst würden. Von dort beginnen viele Menschen die gefährliche Fahrt über das Meer. Seit Jahresbeginn kamen nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration rund 2300 Flüchtlinge im Mittelmeer ums Leben.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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