Porsche-Betriebsratschef erwägt Kampfkandidatur
Neuer Führungsstreit in der IG Metall

Unmittelbar vor dem IG-Metall-Gewerkschaftstag am nächsten Wochenende in Frankfurt gerät der mühsam ausgehandelte Burgfrieden zwischen Traditionalisten und Reformern in der Gewerkschaft wieder ins Wanken.

HB/ost/zel DÜSSELDORF. Möglicherweise bekommt der designierte IG-Metall-Chef Jürgen Peters in letzter Minute doch einen Gegenkandidaten: Der Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück kündigte an, er erwäge „ernsthaft“ eine Kampfkandidatur gegen Peters.

„Wenn ich diese Woche genügend Rückhalt für eine Kandidatur bekomme, dann trete ich an“, sagte Hück in einem Interview mit den Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Die endgültige Entscheidung wolle er bis Mittwoch treffen. Hück gilt als entschiedener Peters-Gegner und hatte sich im Vorfeld gegen ihn als künftigen IG-Metall-Chef ausgesprochen.

Hintergrund ist das gewerkschaftsinterne Gerangel um die Besetzung des geschäftsführenden Vorstands der IG Metall. Wie das Handelsblatt aus Gewerkschaftskreisen erfuhr, soll Peters den offiziell von ihm mitgetragenen Personal-Vorschlag für den neuen Vorstand torpedieren. Er wolle Vertraute ermuntern, gegen offiziell vom Vorstand nominierte Kandidaten zu kandidieren und so Gegner aus dem neuen Vorstand drängen.

Der vom erweiterten IG-Metall- Vorstand beschlossene Personalkompromiss sieht ein Führungs-Tandem aus Peters und seinem Stellvertreter Berthold Huber vor, als Hauptkassierer ist Bertin Eichler nominiert. Neben diesen wurden für den geschäftsführenden Vorstand mit Wolfgang Rohde nur ein Peters-Unterstützer vorgeschlagen – aber die drei zum Huber-Flügel zählenden Gewerkschafter Kirsten Rölke, Erwin Vitt und Wolf Jürgen Röder.

Um im geschäftsführenden Vorstand doch noch eine Mehrheit zu bekommen, versuche Peters nun hinter den Kulissen, Vertraute zu einer Gegenkandidatur gegen die Huber- Anhänger zu bewegen, heißt es in der IG Metall. Im Gespräch sind nach Handelsblatt-Informationen Klaus Ernst, Chef der IG-Metall-Verwaltungsstelle Schweinfurt, und Helga Schwitzer, verantwortlich für Tarifpolitik beim Bezirk Hannover.

Porsche-Betriebsrat Hück kritisierte Peters dafür scharf: Offenbar wolle sich dieser nicht mehr an die Absprachen zur Zusammensetzung des künftigen IG-Metall-Vorstands halten. Das „Peters-Lager“ wolle „weitere Anhänger im Vorstand platzieren, die dann in vier Jahren gegen den stellvertretenden IG-Metall- Chef Berthold Huber um den Chefposten kandidieren“, sagte er. „Das ist ein schlimmer und bösartiger Affront, der das Personalchaos in unserer Organisation noch verlängern und verschärfen wird.“

Innerhalb der IG Metall stieß Hücks Initiative auf heftige Kritik – auch in seinem Heimatbezirk Baden-Württemberg, der derzeit vom Reformer und designierten zweiten IG-Metall-Vorsitzenden Huber geführt wird. „Hücks Vorstoß ist politisch unklug“, sagte Huber-Sprecher Frank Stroh dem Handelsblatt. Es handele sich um einen „Alleingang“, der nicht mit Huber abgesprochen gewesen sei. „Irgendwann muss auch der Letzte in der IG Metall erkennen, dass bei der Personaldebatte das Ende der Fahnenstange erreicht ist“, sagte Stroh. Der Huber-Sprecher relativierte auch die Kritik, der designierte IG-Metall-Chef stelle die Personalkompromisse in Frage: „Es gibt für uns keinerlei Zweifel, dass sich Peters an die Absprachen hält“, sagte Stroh. „Das alles ist eine Debatte zur Unzeit.“

Eine Sprecherin des Frankfurter IG-Metall-Vorstands betonte am Wochenende ebenfalls, Peters stehe zu dem mehrfach vom Vorstand beschlossenen Vorschlag.

In einer Kampfabstimmung gegen Peters hätte Hück kaum Chancen, erfuhr das Handelsblatt aus IG-Metall- Kreisen. Dem Porsche-Betriebsratschef fehle es an Unterstützung. Es wäre schon ein Erfolg, wenn Hück eine größere Minderheit bei der Abstimmung auf sich vereinen könnte. „Wenn er gut beraten ist, dann tritt er gar nicht erst an.“

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