Porsche-Einstieg löst in der Politik auch Fragen nach Zukunft von Daimler-Chrysler aus
Wulff lehnt VW-Anteilsverkauf ab

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) lehnt einen Verkauf der Landesbeteiligung an Volkswagen ab. „Ein Verkauf kommt nicht in Frage", sagte Wulff dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. Das Geschäft würde ohnehin kaum Geld in die Landeskasse spülen. Die in der Hannoverschen Beteiligungsgesellschaft untergebrachten Aktien sind beliehen. „Wir würden heute etwa einen Nettoerlös von 118 Millionen Euro erzielen. Angesichts der überragenden Bedeutung von VW wäre das niemandem zu erklären", betonte Wulff. Die Landesbeteiligung schaffe Stabilität für VW, die durch den Einstieg von Porsche noch erhöht werde. Und diese Stabilität, dies hat auch die Konzernleitung betont, brauche das Unternehmen angesichts dringend nötiger Strukturreformen.

Einen „weißen Ritter“ für VW – genau das hatte sich Wulff schon lange Zeit erträumt. Denn seit geraumer Zeit fürchtet man in der Wolfsburger VW-Zentrale, dass das Unternehmen ins Visier von Hedge-Fonds geraten könnte. Immerhin haben amerikanische Finanzinvestment-Gesellschaften bereits zweistellige Anteile an dem Autokonzern erworben. Das hat die niedersächsische Landesregierung alarmiert, die selbst 18,2 Prozent der VW-Anteile hält.

„Den Einstieg von Porsche kann ich nur begrüßen. Für das Unternehmen ist ein bekannter Investor mit einer klaren Strategie kalkulierbarer als ein anonymer ausländischer Finanzinvestor, der im Namen unbekannter Auftraggeber Aktien sammelt“, sagte Wulff dem Handelsblatt.

Dass Wulff dafür Kritik von „Ordoliberalen“ einsteckt, nimmt er in Kauf – wie schon sein Vorgänger im Amt, Gerhard Schröder. Auch der Bundeskanzler begrüßte deshalb am Montag den geplanten Porsche-Einstieg. „Das ist ein Zeichen dafür, dass sich ein erfolgreiches Unternehmen mit seiner Innovationskraft für den Standort Deutschland engagiert“, sagte er nach Angaben des Regierungssprechers. Mit Zehntausenden Arbeitsplätzen schlägt mit VW in Wolfsburg das industrielle Herz Niedersachsens, weiß auch Wulff. Es wäre nicht im Interesse des Landes, wenn es sich „morgen zurückzieht und übermorgen das reine Shareholder-Value-Interesse“ entscheide, die Produktion zu verlagern, betont er.

Unterstützung kommt vom baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU). „Der Coup Porsche und VW ist Industriepolitik“, machte dieser lobend klar. Auch er will die Zukunft deutscher Automobilkonzerne durch eine stärkere Kooperation absichern. Ziel müsse sein, Deutschland als zentralen Ort der Wertschöpfung zu erhalten. „Vielleicht sind in ein paar Jahren nur noch vier globale Automobilkonzerne übrig. Darunter sollten welche mit Sitz in Deutschland sein“, sekundierte Wulff.

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