Die über 100 Jahre alte enge Partnerschaft zwischen Gewerkschaften und Sozialdemokraten ist seit Schröders Agenda-Reformen schwer erschüttert. Viele enttäuschte Gewerkschafter wanderten vor der Bundestagswahl 2005 zur westdeutschen WASG, die mit der ostdeutschen PDS zur Linkspartei fusionierte. Anders als in früheren Wahlkämpfen fehlte Schröder die Unterstützung der Gewerkschafter. Das Abrücken der SPD von Schröders Agenda auf dem Hamburger Parteitag markiert laut Engelen-Kefer den Beginn der Wiederannäherung: „Die Verlängerung des Arbeitslosengeld-I-Bezugs und der Plan der SPD, Altersteilzeit weiter zu fördern, sind wichtige Punkte.“
Als Signal, dass die SPD bei Gewerkschaftern wieder Boden gutmacht, gilt auch die Kandidatur von Ulrike Sommer, der Ehefrau von DGB-Chef Michael Sommer, für ein Bundestagsmandat. Die eher dem linken SPD-Flügel zuneigende Buchautorin tritt in einer Kampfkandidatur in Berlin-Spandau gegen den direkt gewählten Abgeordneten Swen Schulz an, der den Netzwerkern angehört, einem Zusammenschluss eher rechter, jüngerer Sozialdemokraten.
Schon immer sitzen für die SPD zahlreiche Gewerkschafter im Bundestag. Die prominentesten unter ihnen sind aktuell der Parlamentarische Staatsssekretär im Arbeitsministerium, Klaus Brandner, der frühere Arbeitsminister Walter Riester von der IG Metall und Andreas Steppuhn von der IG Bauen-Agrar-Umwelt.


