Porträt
Der galante Wüterich

Als Wirtschaftsminister übernimmt Michael Glos im Kabinett die zentrale Rolle für Aufschwung, Arbeit und Aktienhausse. Streng kalkulierte Affronts sind seine Spezialität, diverse Ehrentitel hat er sich erstritten. Porträt eines Handwerksmeisters der Macht.

HB BERLIN. Das wäre dem wuchtigen Kerl wohl der liebste Ehrentitel: James Bond der CSU! Ein noch jenseits der 60 jugendlich anmutender Rebell mit beschränkter Haftung, ein Casanova (der Politik), ein Verführer um des Verführens willen. Ein solcher Titel, patentiert natürlich, das hätte schon was für den über 60-jährigen Michael, genannt Michel Glos. Zwölf Jahre war er Landesgruppenchef der CSU in Berlin, Chef des bayerischen Stoßtrupps im Bundesparlament.

Seit Dienszag ist der gelernte Müllermeister Bundeswirtschaftsminister. Und soll die zentrale Rolle in Angela Merkels Kabinett für Aufschwung, Arbeit und Aktienhausse übernehmen. Jetzt, da sein oberster Feldherr, Edmund Stoiber, das zerfetzte Wirtschafts-Camp zurücklassend, den Rückzug nach Bayern angetreten hat. Doch wer ist Michael Glos eigentlich, dieser hoch versierte Handwerksmeister der Macht? Was zeichnet ihn aus? Ein Annäherungsversuch.

„Ich bin selten so missverstanden worden“, beteuert Glos dieser Tage. Der Mann, der immer ach so missverstanden wird, hatte zum großen Jux der Abgeordneten und der Presse gepoltert: „Wir brauchen jetzt Leute, die bereit sind mitzumachen.“

Natürlich war das auf den Fahnenflüchtigen Stoiber gemünzt. Und natürlich hatte niemand in der gesamten Republik den verschlagenen Spötter aus Franken missverstanden. Denn streng kalkulierte Affronts sind seine Spezialität. Und nicht selten sind bei Glos die unmissverständlich verständlichen Dementis reine Bestätigungen. Man muss nur die verschmitzten Gesichtszüge ausblenden. Aber Michel Vierschrot will dafür partout nicht haftbar gemacht werden. Allemal ein Beweis für eine hervorragende Befähigung als Minister, inklusive PmbH: Politik mit beschränkter Haftung. „Glos wollte in seiner Karriere immer Einfluss, aber nicht Verantwortung“, heißt es in München. Jetzt hat er beides.

So recht passt das noch nicht zu dem gelernten Strippenzieher aus dem idyllischen Prichsenstadt. Zumindest nicht zu den Ehrentiteln, die er sich in harter Arbeit erstritten hat: Wadenbeißer, Mann fürs Grobe, Raubein, Chefzyniker – alles Würdigungen, die einem gestandenen bayerischen Politiker so frommen.

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