Porträt des Bundespräsidenten
Johannes Rau - "Versöhnen statt spalten"

Von 1999 bis 2004 war Johannes Rau Bundespräsident. Er war der zweite Sozialdemokrat im höchsten deutschen Staatsamt. Mit seinem politischen Leben verbindet sich das Motto "Versöhnen statt Spalten".

HB BERLIN. 1987 im Bundestagswahlkampf konnte Johannes Rau sich als Kanzlerkandidat nicht gegen Helmut Kohl durchsetzen. 1999 erreichte er die Krönung seiner langen politischen Laufbahn. Nachdem er fünf Jahre davor noch seinem Gegenkandidaten Roman Herzog unterlegen war, wählte ihn die Bundesversammlung am 23. Mai 1999 zum achten Bundespräsidenten. Eine zweite Amtszeit, die das Grundgesetz zulässt, strebt Rau nicht an. Am Donnerstagabend gab er seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur bekannt.

Mit Rau besetzte zum zweiten Mal in der deutschen Nachkriegsgeschichte ein Sozialdemokrat das höchste Staatsamt. Von 1969 bis 1974 war sein großes Vorbild Gustav Heinemann Bundespräsident. Vor seinem Einzug ins Berliner Schloss Bellevue hatte Rau schon eine ungewöhnlich lange politische Karriere durchlaufen. Als dienstältester deutscher Regierungschef lenkte er 18 Jahre lang die Geschicke in Nordrhein-Westfalen. Der charismatische „Menschfischer“ war über viele Jahre der mit Abstand beliebteste deutsche Politiker und nach dem Tod von Willy Brandt lange Zeit die Autorität in seiner Partei. Seine christliche Herkunft und seine Bibelfestigkeit brachten ihm den Spitznamen „Bruder Johannes“ ein.

Der politische Weg des Sohns eines Wuppertaler Predigers (geboren am 16. Januar 1931) führte zunächst in eine Sackgasse: Zusammen mit seinem „Ziehvater“ Heinemann - der aus Protest gegen die Politik Konrad Adenauers die erste Bundesregierung und die CDU verlassen hatte - gründete der gelernte Verlagsbuchhändler in den 50er Jahren die „Gesamtdeutsche Volkspartei“. Die neue Partei blieb ohne Fortune. Wie Heinemann wechselte er 1957 zur SPD. Dort begann für den Nichtakademiker Rau 1957 eine rasante politische Karriere, die ihn 1978 in das Amt des Regierungschefs an Rhein und Ruhr führte, das er bis 1998 ausübte. Mehrmals holte er für die SPD bei Landtagswahlen die absolute Mehrheit.

"Ich will der Präsident aller Deutschen sein"

Auf den Beginn seiner Amtszeit im höchsten Staatsamt legten sich die Schatten der Düsseldorfer Flugaffäre. Landespolitiker hatten Jets der landeseigenen Westdeutschen Landesbank genutzt. Rau wies stets Vorwürfe zurück, politische und private Belange vermengt zu haben. Erst allmählich fand Rau in seine neue politische Rolle in Berlin. Mit mehreren großen Reden setzte er seit Anfang 2000 jedoch erste Markzeichen seiner Amtszeit.

Bei seiner Wahl vor gut vier Jahren gab Rau als Richtlinie seiner Amtszeit vor: „Ich will der Bundespräsident aller Deutschen sein und der Ansprechpartner für alle Menschen, die ohne einen deutschen Pass bei uns leben und arbeiten.“ Dieser Vorgabe folgte er bei seiner ersten „Berliner Rede“ im Mai 2000, in der er sich für das Zusammenleben von Deutschen und Ausländern „ohne Angst und Träumerein“ einsetzte. Eine klare Position bezog Rau auch im Juni 2002, als er nach zweimonatiger Prüfung das unter umstrittenen Umständen vom Bundesrat verabschiedete Zuwanderungsgesetz unterzeichnete, das später vom Bundesverfassungsgericht aus formalen Gründen gekippt wurde. Seine Unterschrift verband er mit einer ungewöhnlich scharfen Rüge an die Parteien, die mit ihrem Streit dem Ansehen von Staat und Politik geschadet und bei vielen Menschen einen „verheerenden Eindruck“ hinterlassen hätten.

Seine erste große Auslandsreise in den Nahen Osten war zugleich einer der wichtigsten. Im Februar 2000 durfte er als erster deutscher Politiker vor dem israelischen Parlament sprechen. In der auch international viel beachteten Rede bat Rau um Vergebung für die Verbrechen des Holocaust. Seit Jahrzehnten schon hatte sich Rau bei seinen mehr als 30 Israel-Aufenthalten um die Versöhnung von Deutschen und Juden bemüht. Den dunklen Spuren der Nazi-Vergangenheit folgte er auch bei seinen Reisen nach Griechenland und Italien, wo er der von Deutschen angerichteten Massaker gedachte.

Mit 51 Jahren gab Rau 1984 sein Junggesellendasein auf und heiratete Christina Delius, eine Enkelin der Heinemanns. Das Paar hat drei Kinder.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%