Porträt: Gesine Schwan: Internationale Fachfrau

Porträt
Gesine Schwan: Internationale Fachfrau

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat am Donnerstag die 60-jährige Gesine Schwan als Kandidatin der rot-grünen Koalition benannt. Eine Parteisoldatin ist die Politologin nicht. Es ist vielmehr ihre internationale Erfahrung, die Schwan als Kandidatin für das höchste Amt im Staat präsentabel macht.

HB BERLIN. Die Politologie-Professorin steht seit 1999 an der Spitze der Europa-Universität „Viadrina“ in Frankfurt/Oder. Mit ihren internationalen Kontakten gilt die Wissenschaftlerin in rot-grünen Kreisen als Idealbesetzung für das präsidiale Amt. Als Leiterin der international ausgerichteten Hochschule stünde Schwan für ein „modernes und europäisches Deutschland“.

An der 1991 wieder gegründeten „Viadrina“ - lateinisch für „an der Oder gelegen“ - studieren heute knapp 5 100 junge Menschen. Dreißig Nationen verteilen sich an dieser östlichsten der deutschen Hochschulen auf drei Fakultäten. Ein Drittel aller Studierenden kommt aus Polen.

Gesine Schwan wurde 1943 als Tochter eines späteren Oberschulrats in Berlin geboren. Sie stammt aus einem sozial engagierten Elternhaus, das im Nationalsozialismus zu protestantischen und sozialistischen Widerstandskreisen gehörte und sich nach dem Krieg für die Freundschaft mit Polen einsetzte. Im letzten Kriegsjahr hatten die Eltern ein jüdisches Mädchen versteckt.

Politisch wurde sie auch durch die Studentenbewegung Ende der 60er Jahre geprägt. 1970 trat sie in die SPD ein, von 1977 bis 1984 war sie Mitglied der Grundwertekommission der Partei. Auf Grund ihrer abweichenden Meinung zum deutschlandpolitischen Parteikurs schied die zum konservativen SPD-Flügel gerechnete Wissenschaftlerin aus dem Gremium aus, gehört ihm aber seit 1996 wieder an.

Seit 1977 war Schwan Professorin für Politikwissenschaft an der Berliner Freien Universität. In den USA arbeitete sie als Dozentin in Washington, Cambridge und New York. Bevorzugte Forschungsgebiete der Wissenschaftlerin sind Demokratietheorie, Sozialismustheorie und Fragen des Marxismus. Zu diesen Themenbereichen hat sie zahlreiche Arbeiten - zum Teil gemeinsam mit ihrem 1989 gestorbenen Ehemann, dem Politikwissenschafter Alexander Schwan - publiziert. Die Musik- und Theaterliebhaberin ist Mutter zweier Kinder.

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