Porträt
Glos - der geborene Ministerkandidat

Michael Glos ist für seine Bonmots berüchtigt. Einmal hat er über seine politische Zukunft gesagt: „Ach, wissen Sie – ich hoffe, dass es meinem Land nie so dreckig geht, dass es auf Leute wie mich zurückgreifen muss.“ Offensichtlich ist es jetzt so weit.

BERLIN. Nachdem Edmund Stoiber in München bleibt, könnte der bald 61-jährige CSU-Politiker in das Kabinett von Angela Merkel als Minister für Wirtschaft und Technologie einziehen – immer vorausgesetzt, die große Koalition kommt.

In seiner Partei gilt der Unterfranke als der „geborene Ministerkandidat“. Seit zwölf Jahren führt er die CSU-Landesgruppe im Bundestag. Von diesem „Allrounder-Posten“ aus bekämpfte er vor allem „den Sozialismus zu Lande, zu Wasser und in der Luft“. Zuvor hatte er allerdings in seiner 30-jährigen Abgeordnetentätigkeit genug Zeit, sich das Rüstzeug für das Amt des Wirtschaftsministers anzueignen. Elf Jahre lang beackerte er in den unterschiedlichsten Funktionen in der Unions-Bundestagsfraktion die Themen Wirtschaft, Haushalt und Finanzen.

Es ist noch nicht klar, ob sich der gelernte Müllermeister, der bereits in jungen Jahren den elterlichen Betrieb übernahm, wie Stoiber als Nachfolger von Ludwig Erhard sieht. Immerhin, an die brillante Rhetorik Erhards müsste Glos eher anknüpfen können. Die bislang von Stoiber und SPD ausgehandelten Ergebnisse bei den Koalitionsverhandlungen dürften auch für ihn unproblematisch sein. Der Kaufmann, der Eigentum, Leistung und Familie als Koordinaten hat, wird sich kaum gegen bessere Abschreibungsbedingungen für den Mittelstand, Bürokratieabbau sowie zusätzliche Förderungen für kleinere Unternehmen aussprechen.

Die Wirtschaftsverbände hielten sich zunächst mit Einschätzungen zur Personalie Glos zurück, mit Ausnahme des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH): „Glos ist ein gestandener Handwerksmeister, der die Probleme des Mittelstandes aus eigener Anschauung kennt“, lobte ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer. Der CDU-Wirtschaftsrat begrüßte den Rückzug Stoibers und sah darin „eine gute Chance für eine ordnungspolitische Neuorientierung der Union“.

Kritiker hatten immer wieder gemahnt, der CSU-Chef solle sich nicht von milliardenschweren Beteiligungen des Landes trennen und das staatliche Geld in neue Geschäfte pumpen. Die Arbeitgeberverbände waren sich einig: Als Minister auf Bundesebene müsste sich Stoiber von der staatsdirigistischen Politik verabschieden. Eine Forderung, der sich auch Glos stellen muss.

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