Porträt
Horst Seehofer (CSU)

Vor weniger als einem Jahr schien CSU-Vize Horst Seehofer ganz unten. Nach monatelangem Streit zwischen CDU und CSU um die Gesundheitspolitik gab der Ingolstädter zuerst die Zuständigkeit für die Sozialpolitik ab, wenig später trat er als Fraktionsvize der Union im Bundestag zurück. Jetzt könnte der "Herz-Jesu-Sozialist" ein Comeback als Allzweckwaffe feiern - in einem Fachgebiet, für das der dreifache Familienvater bislang gar nicht zuständig war.

HB MÜNCHEN. In der neuen Bundesregierung könnte er Minister für Verbraucherschutz und Landwirtschaft werden, heißt es in Unionskreisen. "Ich bin dazu erzogen, zu essen, was auf den Tisch kommt", sagte der dreifache Familienvater kürzlich zu seinen Optionen.

Nach dem unerwartet schlechten Abschneiden der Union bei der Bundestagswahl findet der 56 Jahre alte Seehofer wieder Gehör mit seiner These, dass die Union das Soziale nicht vergessen dürfe. Über viele Jahre war Seehofer ein Liebling der CSU-Basis. Als Bundesgesundheitsminister der Regierung Kohl erwarb sich Seehofer von 1992 bis 1998 parteiübergreifend Respekt. 2001 erkrankte der Oberbayer an einer lebensgefährlichen Herzmuskelentzündung und zog sich vorübergehend aus der Politik zurück.

Im vergangenen Jahr verscherzte er sich aber vor allem in der CDU durch seine Dauerkritik am Konzept der Kopfpauschale in der Krankenversicherung die Sympathien. Aber auch in seiner eigenen Partei erwarb er sich den Ruf eines Querulanten. Denn Seehofer hatte den Kompromiss von CDU und CSU zuerst mit ausverhandelt und anschließend abgelehnt.

Im April wurde er Landesvorsitzender des Sozialverbandes VdK in Bayern - für viele ein Zeichen, dass Seehofer seine Prioritäten nicht mehr unbedingt auf der Bühne des Bundestags sah. Im Nachhinein kann sich Seehofer bestätigt fühlen: Inzwischen lehnt auch CSU-Chef Edmund Stoiber die Kopfpauschale wieder ab.

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