Porträt
Ingo Wolf: Ein Liberaler kämpft mit seinem Image

Die FDP in Nordrhein-Westfalen hat ein Problem: In wenigen Wochen ist Landtagswahl im größten Bundesland, und kaum jemand kennt den liberalen Spitzenkandidaten.

HB DÜSSELDORF. Ingo Wolf verfügt nicht über einen Bruchteil des Bekanntheitsgrades seines Vorgängers Jürgen W. Möllemann. Auf dem Essener Landesparteitag sprach Bundesparteichef Guido Westerwelle den Parteifreunden deshalb Mut zu: "Ingo Wolf - der wird mal Kult."

Derzeit hat der 50-jährige Jurist aber zunächst ein Problem mit seinem Image: Wolf verdient sehr viel Geld. Mit einem Jahreseinkommen von rund 200 000 Euro aus öffentlichen Kassen überrundet der pensionierte Euskirchener Oberkreisdirektor Spitzenpolitiker in höchsten Ämtern. Die Einnahmen sind Versorgungsregelungen für deutsche Beamte und Abgeordnete geschuldet und damit völlig legal. Wolf brachten seine Einkünfte aber reichlich Negativ-Schlagzeilen. "Florida-Wolf", spotteten die Grünen in Anspielung auf jenen Sozialhilfeempfänger namens Rolf, der im US-Sonnenstaat "Stütze" kassierte.

"Eine Kampagne" der Grünen, schimpfte Westerwelle. Schließlich habe Wolf eine Stiftung für Kinder gegründet und 50 000 Euro dafür eingezahlt. Dies sei "praktizierte Nächstenliebe" des dreifachen Familienvaters, verteidigte er den Frontmann für die Wahl. Dass er von den Medien eher als "grauer Wolf", als "sperrig" und als nicht so bekannt wie beispielsweise die grüne Umweltministerin Bärbel Höhn wahrgenommen werde, schade nichts, beharrte das Zugpferd der FDP: "Wolf ist der richtige Mann."

Die Partei, der oft das Attribut "der Besserverdienenden" angehängt wird, scheinen die Spitzenbezüge ihres Spitzenkandidaten nicht zu stören. Keine der Wortmeldungen in der ohnehin kurzen Aussprache auf dem Landesparteitag streiften das heikle Thema. Auch Wolf ging in seiner Rede nicht darauf ein. Selbstbewusst präsentierte er sich den Fotografen und ließ Westerwelle und Landesparteichef Andreas Pinkwart hinter einem überdimensionierten Schild mit dem Parteitagsmotto "Vorfahrt für Arbeit" zeitweise völlig verschwinden.

Um ihr Wahlziel "Zehn Prozent plus x" zu erreichen, müsse die FDP einen eigenständigen Wahlkampf führen und sich dabei auch von ihrem christdemokratischen Wunsch-Koalitionspartner absetzen, mahnte Westerwelle. "Wir sind nicht die CDU für seltene Kirchgänger und wir sind auch nicht die SPD für Porschefahrer und auch nicht die Grünen nur für Leute mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung."

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