Porträt
Jürgen Rüttgers: Der die rote Bastion schleifen will

Seit 1966 versucht die CDU, der SPD das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen streitig zu machen. Am 22. Mai 2005 - davon ist CDU-Spitzenkandidat Jürgen Rüttgers überzeugt - wird es endlich klappen.

HB DÜSSELDORF. "Im Schlafwagen an die Macht", hieß es im Umfeld des promovierten Juristen im vergangenen Jahr, als die SPD durch internen Streit, schlappes Wirtschaftswachstum und hohe Arbeitslosenzahlen der NRW-CDU zu immer neuen Spitzenwerten in den Umfragen verhalf.

Doch der Streit über den Kurs von Parteichefin Angela Merkle, die Gehälter-Affären um die aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland stammenden CDU-Politiker Laurenz Meyer und Hermann-Josef Arentz sowie Querschüssse aus der immer wieder renitenten Kölner CDU drohten den Schlafwagen im Winter zum Entgleisen zu bringen.

Wenige Wochen vor der Wahl sieht sich die CDU indes angesichts eines deutlichen Umfrage-Vorsprungs vor der SPD wieder in der Spur: "Am 22. Mai will ich Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen werden", betont Rüttgers im Wahlkampf immer wieder.

Der 1951 geborene Politiker hatte sich schon als Student der Jungen Union angeschlossen. 1987 kam er in den Bundestag, 1989 wurde er Fraktionsgeschäftsführer. 1994 holte ihn Helmut Kohl in die damalige Bundesregierung und vertraute ihm das Superministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie an. 1999 wurde Kohls ehemaliger Zukunftsminister dann Landesvorsitzender der NRW-CDU - und scheiterte prompt bei der Landtagswahl 2000 am damaligen SPD-Ministerpräsidenten Wolfgang Clement.

"Genug ist genug", wirbt die CDU nun um Wählerstimmen für die Abwahl der rot-grünen Landesregierung. Für Rüttgers geht es bei der Abstimmung auch um seine politische Zukunft: Besiegt er SPD-Ministerpräsident Peer Steinbrück, wird er als Regierungschef des bevölkerungsreichsten Bundeslandes auch in der Union eine gewichtigere Rolle spielen. Verliert er dagegen erneut eine Landtagswahl, dürften mögliche Herausforderer ihm bald den Landesvorsitz streitig machen.

Beim Auftakt der heißen Wahlkampfphase Anfang April zeigte er sich jedenfalls zuversichtlich, dass es dieses Mal klappen würde mit dem Regierungswechsel: "Ich traue mir das zu", rief er den jubelnden CDU-Anhängern zu.

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