Porträt
Klaus Wowereit – vom Gute-Laune-Bär zum Popstar

Den Wahlsieg kann ihm niemand mehr nehmen. Selbst vor den Grünen muss Klaus Wowereit keine Angst haben. Der Frontmann der Berliner SPD kann machen, was er will, ihm gelingt fast alles – auch die Kanzlerschaft?
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BerlinKlaus Wowereit hat Renate Künast vieles voraus. Während die Grünen-Spitzenkandidatin oft sehr kratzbürstig rüber kommt (die „Berliner Zeitung“ nannte sie „Die Frau im Stachelkleid“) umgibt ihren SPD-Konkurrenten eine seltsame Leichtigkeit, getrieben vom Amtsbonus, den Wowereit eigentlich gar nicht so ausgeprägt haben dürfte. Denn es ist schwer, auszumachen, was er bisher eigentlich für Berlin Positives geleistet hat.

Die Wirtschaftsdaten sind jedenfalls vor der Wahl am 18. September noch immer durchwachsen. Berlin hängt am Tropf des Bundes und der anderen Länder. Ohne die Finanzhilfen wäre die Stadt wohl längst pleite. Immerhin hat die Hauptstadt gegen einen Schuldenberg von rund 60 Milliarden Euro zu kämpfen. Und auch der hiesige Jobmarkt bietet keinen Anlass zu Jubelfeiern. Nirgends in Deutschland sind so viele Menschen arbeitslos wie in Berlin,  und nirgends beziehen mehr Haushalte Hartz IV.

Das alles kann Wowereits Wahlsieg aber kaum gefährden. Der Sozialdemokrat läuft sich für seine dritte Amtszeit warm. Und seine Kiez-Besuche kommen an. „Wir machen erst mal Party und in einer Stunde kommt der Klaus dazu“, verspricht ein SPD-Anhänger, der Wahlwerbung verteilt. Angekündigt ist ein Kiez-Besuch von Wowereit im Stadtteil Mitte – im Weddinger Gesundbrunnencenter. Dort, wo sich jung und alt aus den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen täglich über den Weg laufen, soll der Regierende noch einmal Gas geben, Stimmung machen für den Wahlsonntag. Die SPD hat sich die Mitte der weitläufigen Shoppingmall ausgesucht und dort ein Podium für ihren Klaus aufgebaut. Vor der Schuhkette „Runners Point“. Wie passend für einen, der täglich durch die Stadt hetzt und dabei nie aus der Puste kommt, sondern stets gut gelaunt mit einem milden Lächeln den Leuten gegenübertritt.

Wowereit gibt sich auch im Gesundbrunnencenter volksnah, sucht das Gespräch mit den Passanten, verteilt rote Rosen. Dann erreicht er die Bühne – ein bisschen. wie einer kleiner Popstar. Die Menschen jubeln ihm zu, verhalten, aber bestimmt. Wowereit geniest es. Dann darf er sprechen, darf den rund 100 Anwesenden sagen, was er in den nächsten 5 Jahren mit Berlin vorhat. Es wird mehr eine Bilanz, als ein Ausblick. Aber die Zuhörer sind zufrieden, wenn ihr Klaus die altbekannten SPD-Slogans zu sozialer Gerechtigkeit, Mindestlöhnen und der Rentenpolitik der Bundesregierung zum Besten gibt. Dann wird aus dem Landespolitiker Wowereit ein Bundespolitiker, der auch bissig werden kann. Wenn er dem Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) „verwerfliche“ Kürzungspolitik vorwirft, dann verliert Wowereit für kurze Zeit sein Dauerlächeln.

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Trotz Schicksalsschlägen zum Erfolg

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