Porträt
Managerin leerer Kassen

Für die Sozialdemokraten ist die Wahlniederlage mit herben finanziellen Einbußen verbunden. Aufgrund der Stimmenverluste fehlen rund 2,5 Millionen Euro aus der staatlichen Parteienfinanzierung. Eine schwierige Situation für Barbara Hendricks, die Schatzmeisterin der SPD. Ein Porträt.
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Als in der Wahlnacht die Stimmenverluste für die SPD auf den Bildschirmen im Willy-Brandt-Haus sichtbar wurden, wusste Barbara Hendricks, dass der Montag ein harter Tag werden würde. Gleich am Morgen ließ die Schatzmeisterin ausrechnen, dass aus der staatlichen Parteienfinanzierung, die von der Zahl der Wählerstimmen abhängt, 2,5 Mio. Euro in der SPD-Kasse fehlen würden.

Sie handelte sofort: Am Dienstag kündigte sie den Mitarbeitern der Parteizentrale an, dass der SPD-Jahresetat von bisher 40 Mio. Euro um 2,5 Mio. Euro schrumpfen müsse. "Damit kann man umgehen; ich will dies möglichst bei den Betriebskosten einsparen", sagt Hendricks. Unangenehmen Wahrheiten, so das Credo der pragmatischen 57-Jährigen, stellt man sich am besten sofort.

Daran hielt sie sich früher als Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, als klamme Kassen Grenzen setzten für Steuerreformen, und heute als Aufsichtsrätin der SPD-Medienholding DVVG, die an mehreren Zeitungen beteiligt ist: Ohne Sanierungskurs, etwa bei der "Frankfurter Rundschau", würde der SPD auch ihr zweites Finanzierungsstandbein wegbrechen. Bisher hält sich die Holding recht gut in der aktuellen Anzeigenkrise: Der Jahresgewinn für 2008 lag mit 15,5 Mio. Euro nur um zehn Prozent unter dem des Vorjahres. "Die Sozis können mir Geld gut umgehen", findet sie.

Ihre Doktorarbeit schrieb die gelernte Geschichtslehrerin aus dem nordrhein-westfälischen Kleve über die "Entwicklung der Margarineindustrie am unteren Niederrhein". Wie geschmiert vollzog sich ihre Karriere in der Sozialdemokratie. Hendricks begann als Pressesprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, wurde 1994 Abgeordnete und 1998 Finanzstaatssekretärin. Sie blieb auf diesem Posten neun Jahre, während die Minister erst Lafontaine, dann Eichel und zuletzt Steinbrück hießen. In den Debatten um die Unternehmensteuerreform lobte der CDU-Unterhändler Otto Bernhardt (CDU) Hendricks? "sachliche Art".

Obwohl Hendricks die meiste Zeit in Berlin ist, fühlt sie sich zuhause nur am Niederrhein. In Berlin wohnt sie unter der Woche in einer Politikerinnen-WG mit zwei SPD-Abgeordneten.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin

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