Porträt
Neuer CSU-Chef Huber will bei Stoiber Rat einholen

Erwin Huber wirkt erleichtert. Als der bayerische Wirtschaftsminister sein Wahlergebnis beim CSU-Parteitag hört, muss er erst einmal tief durchatmen. Mit 58,2 Prozent der Stimmen hat sich der Favorit in der ersten Dreier-Kampfabstimmung um einen CSU-Vorsitz gegen Horst Seehofer und Gabriele Pauli durchgesetzt.

HB MÜNCHEN. Als Erster gratuliert Edmund Stoiber dem neuen CSU-Chef, von dem er nach fast neun Jahren an der Parteispitze am Samstag abgelöst wird. Die beiden Politiker umarmen sich kurz, mittlerweile strahlt Huber. Seine erste Amtshandlung ist eine versöhnliche Geste an Stoiber, den Huber im Januar gemeinsam mit dem designierten Ministerpräsident Günther Beckstein aus seinen Ämtern gedrängt hat. Jetzt lässt der neue CSU-Chef den alten zum Ehrenvorsitzenden wählen - einstimmig. An Stoiber gewandt sagt Huber: „Edmund, ich werde gerne Deinen Rat entgegen nehmen und bitte Dich darum.“

In Stoibers Amtszeit hat sich der in der Partei hoch angesehene 61-Jährige als politischer Generalist hervorgetan. Der Niederbayer war Generalsekretär der CSU, Staatskanzlei-Chef, Finanzminister und Bundesratsminister. Als Wirtschaftsminister verkündete er kurz vor dem Parteitag den Durchbruch für den Bau des Transrapids in München.

Für seine Karriere hat Huber hart geschuftet. Der Sohn einer Landarbeiterin, der ohne Vater aufwuchs, machte eine Ausbildung zum Steuerinspektor und kämpfte sich über das Abendgymnasium zum Volkswirtschaftstudium vor. „Ministrant, Oberministrant, Minister“, beschrieb Huber spitzbübisch seine Laufbahn. Auch wenn das Finanzressort seine Lieblingsstation ist, arbeitete er für Stoiber loyal an anderen Stellen. „Ich habe persönliche Präferenzen zurückgestellt“, blickte Huber zurück. In Stoibers Auftrag packte er vor Jahren die Verwaltungsreform an - und kassierte für den eisernen Sparkurs den Großteil der Prügel. Gegner schaffte er sich mit der Bemerkung, wer einen Teich trocken legen wolle, dürfe nicht die Frösche fragen. Mittlerweile stehen viele Parteifunktionäre wieder hinter ihm. Zudem hat er einen neuen Stil angekündigt: „Ich bin ein Mannschaftsspieler.“ Das dürfte Balsam für viele in der CSU sein, in der Stoiber mit seinen autoritären Alleingängen schon lange vor seinem Sturz den Unmut geschürt hatte.

Seite 1:

Neuer CSU-Chef Huber will bei Stoiber Rat einholen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%