Porträt
Porträt - Möllemann polarisierte Partei und Öffentlichkeit

Möllemann galt einst als eines der vielversprechenden Talente der FDP, deren Mitglied er 33 Jahre lang war.

Der studierte Lehrer kam 1972 für die Liberalen in den Bundestag. Er trat nach der Bonner Wende 1982 als Staatsminister im Auswärtigen Amt unter Hans-Dietrich Genscher sein erstes Regierungsamt an. 1987 wurde er Bildungsminister, 1991 Wirtschaftsminister. Nach dem Rücktritt seines politischen Ziehvaters Genschers übernahm der 1945 in Augsburg geborene Möllemann auch das Amt des Vizekanzlers und Stellvertreters von Helmut Kohl (CDU).

Anfang 1993 musste Möllemann zurücktreten, weil er sich auf amtlichem Briefpapier für die Geschäftsidee eines Verwandten eingesetzt hatte. Während all der Jahre lag Möllemann wegen seines Ehrgeizes und seiner Selbstinszenierungen immer wieder im Streit mit anderen führenden Liberalen, die zugleich sein Talent als Wahlkämpfer anerkannten. Politische Gegner und innerparteiliche Konkurrenten lehnten ihn als erratischen Karrieristen ab, dem es nur um den eigenen Erfolg gehe. Möllemann galt als Erfinder des „Projekts 18“, mit dem die FDP bei der letzten Bundestagswahl über ihre traditionelle Klientel hinaus auf 18 Prozent der Stimmen kommen wollte.

Seine Aktivitäten im Wahlkampf 2002 mit dem israel-kritischen Flugblatt lösten zu einem heftigen Streit mit dem Zentralrat der Juden und Antisemitismus-Vorwürfen gegen Möllemann und die gesamte FDP aus, die bei der Wahl nur auf enttäuschende 7,4 Prozent gekommen war. Möllemanns Verhalten führte zu seinem letzten und heftigsten Konflikt mit der FDP, einem Machtkampf mit Parteichef Guido Westerwelle und der tiefsten Polarisierung der Öffentlichkeit über seine Person. Mit dem Austritt aus der FDP kam Möllemann Mitte März einem Ausschlussverfahren zuvor.

Zuletzt spielte er öffentlich mit dem Gedanken einer Partei-Neugründung. Die Flugblatt-Affäre war damit aber noch nicht ausgestanden. In die Ermittlungen zur Finanzierung des Flugblatts wurden Ende November auch unklare Spenden an die NRW-FDP aus den Jahren 1999 und 2000 einbezogen.

Wenige Stunden nach seinem Tod waren die Hintergründe weiter unklar, aber Gegenstand heftiger Spekulationen. Der 57-Jährige Oberleutnant der Reserve und Vater dreier Kinder hatte seinen Wehrdienst als Fallschirmjäger absolviert und allein im Bundestagswahlkampf vorigen Jahres 75 publikumsträchtige Sprünge absolviert.

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