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Porträt Stephan Weil: SPD-Überflieger weist Genossen den Weg

SPD-Mann Weil ist am Ziel. Nach einer Zitterpartie in Niedersachsen wird er CDU-Ministerpräsident McAllister ablösen. Die Bundes-Genossen sind beeindruckt und wollen nun für ihre Wahlstrategie bei ihm abkupfern.

Stephan Weil. Quelle: dapd
Stephan Weil. Quelle: dapd

BerlinStephan Weil ist überpünktlich. Als wir ihn treffen, hat der bisherige Oberbürgermeister von Hannover bereits zehn Interviews hinter sich. Es ist die Endphase des Landtagswahlkampfs und es steht in Umfragen Spitz auf Knopf. Weil zeigt keine Nerven. Nach außen wirkt der Sozialdemokrat entspannt und hochkonzentriert. Und das, obwohl er in puncto Beliebtheit dem CDU-Spitzenkandidaten und Ministerpräsidenten David McAllister nicht das Wasser reichen kann und ihm auch die Bundespartei keinen Rückenwind beschert. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück überschattet mit seinen Eskapaden den Wahlkampf der Genossen an der Leine.

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Weil lässt sich vom negativen Bundestrend nicht beeindrucken. Fragen zu Steinbrück lächelt er weg. „Unsere Umfragewerte sind stabil, es sind keine Bremsspuren erkennbar“, sagt er. Und: Die Debatte sei eine Welle in den Medien, die aber im Bewusstsein der Niedersachsen keine wesentliche Rolle spiele.

„Den Leuten ist klar, dass es hier um eine Landtagswahl geht.“ Damit hat es sich für Weil. Er macht keine Anstalten, Schlechtes über Steinbrück und die Bundespartei zu sagen. Die Wähler werden es am Ende goutieren - mit einem satten Zugewinn an Stimmen, der der SPD zu Macht verhilft, wenn auch nur mit einer hauchdünnen Mehrheit.

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Möglicherweise schätzen die Wähler an Weil auch, dass der 54-jährige Jurist nicht für verbale Ausraster bekannt ist. Weil ist das, was die Schwaben im besten Sinne des Wortes einen Schaffer, einen Arbeiter, nennen. Dem gebürtigen Hamburger, der seit seiner Kindheit in Hannover lebt, ist nichts in den Schoß gefallen. Was er erreicht hat, hat er sich hart erarbeitet.

Er ist in der Kommunalpolitik zu Hause, hütete von 1997 bis 2006 als Kämmerer die Finanzen der niedersächsischen Landeshauptstadt, bevor er zum Oberbürgermeister der Stadt aufstieg. Seine Ambitionen auf das Amt des Regierungschefs behielt er lange für sich: Erst im September 2011 kündigte er seine Kandidatur an. In einer Urwahl der Mitglieder des drittgrößten SPD-Landesverbandes setzte er sich gegen den damaligen SPD-Landeschef Olaf Lies durch. Am Jahresanfang 2012 übernahm er auch den Landesvorsitz.

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Im Wahlkampf präsentierte sich Weil bürgernah, sachlich und pragmatisch. Das kommt gut an. Der Bundesparteitag der SPD im Dezember in Hannover, der zur Krönungsmesse für Steinbrück werden sollte, wird zum Heimspiel für Weil. Als er die Bühne betritt reagiert der Saal mit tosendem Applaus.

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Die Genossen wissen, was sie an ihm haben. Weil ist in doppeltem Sinne ein Vollprofi: Als Oberbürgermeister verantwortete er ruhig und besonnen die Geschicke der Landeshauptstadt. Als SPD-Landesvorsitzender führte er seine Partei zum Sieg bei der Landtagswahl. Für Weil geht damit ein Lebenstraum in Erfüllung. Als künftiger Ministerpräsident kann er in eine Rolle schlüpfen, die ihm liegt, die des umsorgenden Landesvaters.

  • 21.01.2013, 16:36 Uhrrolfme

    Kleiner Kommentar am Rande: Die SPD wurde von Kurt Schumacher nicht in Hannover wiederbelebt. Das fand in der Pinkenburg in Wennigsen statt. nicht so prominent, aber landschaftlich doch viel schoener.

  • 21.01.2013, 16:49 UhrLJA

    Diese Lobrede auf Weil ist hemmungslos übertrieben. Als OB von Hannover hat er sich damit begnügt, den langsamen Niedergang der Stadt zu verwalten. Auf den wichtigen Feldern der Wirtschafts- und Verkehrspolitik bestimmen die Grünen den Kurs. Dazu hatte er bei allen Wahlen noch ein Schweineglück. Kein ernsthafter CDU-Kandidat wollte in der linken Stadt Hannover (IG-BCE, Evg. Kirche, Madsack, Hochschulen etc.) jemals antreten.
    Bei dieser Wahl hat im dann noch General Winter die entscheidenden Zehntel verschafft.
    Das alles lässt sich nicht einfach auf ganz Deutschland übertragen.

  • 21.01.2013, 16:54 UhrHeinz

    Der SPD Überflierger bei 58 % Wahlbeteiligung und davon 32% für die SPD.
    Sollte eher nachdenklich stimmen, daß nur 58% zur Wahl gehen

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