Porträt
Ursula Engelen-Kefer - Urgestein der Sozialpolitik

Sie wollte die Pläne der mächtigen Vorsitzenden der DGB-Einzelgewerkschaften durchkreuzen - und scheiterte: Nach 16 Jahren als Vizechefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes endet die DGB-Karriere der Ursula Engelen-Kefer.

HB BERLIN. Nach der Niederlage war Engelen-Kefer um Fassung bemüht. Die sonst nicht kamera- und mikrofonscheue Kämpferin gegen Sozialabbau rang sich nur wenige Sätze ab: „Ich freue mich über das Ergebnis von Frau Sehrbrock und wünsche ihr guten Erfolg“, lächelte sie bemüht in die Kameras. Sie wünsche sich, dass die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik weiter durchsetzungsfähig betrieben werde. „Es ist wie es ist“, sagt sie später.

Im Vorfeld hieß es, sie bekomme bis zur Rente möglicherweise einen Posten bei der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) oder bei der Deutschen Rentenversicherung. Ob diese Angebote der Gewerkschaftschefs nach der Kampfkandidatur Bestand haben, dürfte zweifelhaft sein. „Ich bin fassungslos, dass jemand das Ansehen des DGB so beschädigen kann“, sagte der Vorsitzende der drittgrößten Einzelgewerkschaft, Hubertus Schmoldt, von der IG Bergbau-Chemie-Energie.

Engelen-Kefer wurde am 20. Juni 1943 in Prag geboren als Tochter eines Wirtschaftsprüfers. Aufgewachsen ist sie im Rheinland. Sie studierte Volkswirtschaft, erwarb später auch den Doktortitel. Die 62-Jährige ist ein Urgestein der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Bereits in den 70-er Jahren war sie bei der damaligen Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg tätig, 1984 als Vizepräsidentin der Behörde, und seither immer in wechselnden Funktion - derzeit als Vorsitzende des Verwaltungsrates.

Ihren Kritikern gilt sie als Traditionalistin, manche sehen in der Mahnerin für soziale Gerechtigkeit das Funktionärsimage der Ewiggestrigen. Doch selbst die Spitze der Bundesagentur für Arbeit bescheinigt ihr, dass die gute Zusammenarbeit mit dem Verwaltungsrat die derzeit hohen Überschüsse der Behörde und den Umbau zum Dienstleister mit ermöglicht habe. Wer für den DGB an ihrer Stelle nun in das Gremium rückt, ist offen. Die Zuständigkeiten in der DGB-Spitze müssen noch verteilt werden.

Engelen-Kefer ist zudem seit 20 Jahren Mitglied des SPD-Parteivorstandes. Vor allem mit dem einstigen Bundeskanzler Gerhard Schröder geriet sie heftig aneinander. Von ihm ist überliefert, dass er sie als „Quengelen-Keifer“ beschimpfte. Engelen-Kefer hatte damals gegen Pläne des Arbeitsministers Walter Riester gewettert, das Rentenniveau abzusenken.

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