Porträt
Verena Becker: Strafe, Gnade, neue Haft

Die frühere RAF-Terroristin Verena Becker gilt als eine der schillerndsten und rätselhaftesten Figuren der deutschen Terrorszene. Sie stieg schon als Jugendliche der Terrorszene an und soll sich Anfang der 80er Jahre dem Verfassungsschutz anvertraut. Im Fall Buback spielt sie eine Schlüsselrolle.

HB BERLIN. Becker wird 1952 in Berlin geboren. Sie verdient ihr Geld als Fabrikarbeiterin und entwickelt sich früh zu einer radikalen Feministin. Anfang der 1970er Jahre schließt sich die junge, schlanke Frau zunächst der "Bewegung 2. Juni" an. Die zweitgrößte Terrorvereinigung der 1970er Jahre hatte sich nach dem Tod des Studenten Benno Ohnesorg gegründet. Gemeinsam mit der Gruppe raubt Becker Banken aus und beteiligt sich an einem Bombenanschlag in einem britischen Jachthafen in Berlin, bei dem ein Mensch ums Leben kommt. Sie ist damals keine 20 Jahre alt.

Von einem Gericht wird sie 1974 für ihre Beteiligung an dem Anschlag zu sechs Jahren Jugendstrafe verurteilt. Schon ein Jahr später presst sie die "Bewegung 2. Juni" frei. In einem Militärlager in Jemen trainiert sie schließlich den Kampf mit Waffen und lernt dort Mitglieder der Roten Armee Fraktion kennen. Als 25-Jährige schließt sie sich der RAF an.

Am 7. April 1977 erschießt die RAF in Karlsruhe den Generalbundesanwalt Siegfried Buback. Auch sein Fahrer Wolfgang Göbel und Justizhauptwachtmeister Georg Wurster sterben bei dem Attentat. Vier Wochen nach dem Mord an Buback wird Becker verhaftet. Im Gepäck findet die Polizei die Tatwaffe. Im Dezember 1977 wird sie wegen einer Schießerei während ihrer Festnahme zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein weiteres Ermittlungsverfahren wegen der Beteiligung am Buback-Mord wird nach dem Urteil eingestellt, auch weil die Beweise nicht ausreichen.

Nach nur vier Jahren im Gefängnis sucht sie den Kontakt zum Verfassungsschutz. Dabei soll sie RAF-Insiderwissen weitergegeben und erklärt haben, dass bei dem Mord an Buback Günter Sonnenberg das Motorrad fuhr, Christian Klar im Fluchtwagen wartete und Stefan Wisniewski vom Motorradrücksitz aus feuerte.

Der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker (CDU) begnadigt Verena Becker schließlich. Sie kommt im November 1989 frei und lässt sich wieder in Berlin nieder.

Anlässlich des 30. Jahrestags des Attentats richtet sich das Augenmerk wieder verstärkt auf Becker, weil Bubacks Sohn Michael nachdrücklich behauptet, sie sei die Todesschützin gewesen - er beruft sich auf eine Augenzeugin, die eine zierliche Person auf dem Motorrad gesehen haben will.

Bei einer erneuten DNA-Analyse wird 2009 an Briefumschlägen der Bekennerschreiben von 1977 Genmaterial von Becker entdeckt. Nach einer Abhöraktion wird auch ihre Wohnung durchsucht, angeblich soll sie Dinge zum Fall Buback aufgeschrieben haben. Sie bestreitet aber öffentlich, dass sie die Todesschützin gewesen ist. Zuletzt hat sie in Berlin gelebt und soll als Heilpraktikerin tätig gewesen sein.

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