Porträt von Franz Müntefering
Sozialdemokrat mit Ecken und Kanten

Franz Müntefering war oft für politische Überraschungen gut – einige Male ist er schon zurückgetreten. Nun steht sein Rücktritt unter anderen Vorzeichen. Doch schon mehren sich die Spekulationen, dass seine politische Arbeit damit noch nicht beendet ist.

HB BERLIN. Als es in den ersten Amtsmonaten der rot-grünen Bundesregierung mächtig kriselte, gab der damalige Bundesverkehrsminister im Frühherbst 1999 überraschend seinen Kabinettsposten ab. In der neu geschaffenen Parteifunktion als Generalsekretär leitete er fortan die Geschicke der Sozialdemokraten, deren Vorsitzender er zwischen März 2004 und November 2005 war.

Mit dem Satz: „Es ist noch was da. Ich bin nicht ausgetrocknet“, hatte der 67-jährige kantige Sozialdemokrat bei seinen Genossen erst vor zwei Wochen auf dem SPD-Bundespartei Hoffnungen auf weitere politische Mitarbeit und Unterstützung geweckt. Vorausgegangen war ein wochenlanger quälender Streit zwischen Müntefering und SPD-Chef Kurt Beck über die längere Zahlung des Arbeitslosengeldes I an Ältere – den Beck für sich entschied. Beide hatten unter dem Jubel des Parteitages anschließend ihre Aussöhnung demonstriert.

Umso überraschender kam für Freunde und engere Mitarbeiter jetzt die Nachricht vom Rücktritt – „ausschließlich aus familiären Gründen“, wie Münteferings Sprecher versichert. Gleichwohl halten sich in der SPD Spekulationen, dass Münteferings politische Arbeit damit noch nicht beendet ist – in welcher Form auch immer. Freunde wissen aber auch, wie sehr ihm das jahrelange Krebsleiden seiner Frau Ankepetra (61) nahe ging.

Müntefering hat in seinem politischen Leben zahlreiche Funktionen und auch Ministerämter auf Landes- wie Bundesebene durchlaufen: 1966 – zu Zeiten der ersten Großen Koalition in Bonn – trat er der SPD bei. Mehr als drei Jahrzehnte war er – mit kurzer Unterbrechung – Mitglied des Bundestages. In der Partei führte er als Vorsitzender zunächst den mitgliederstärksten SPD-Bezirk Westliches Westfalen, später den Landesverband Nordrhein-Westfalen – und dann auch die Gesamtpartei.

Als SPD-Bundesgeschäftsführer zählte Müntefering mit zu den Architekten des erfolgreichen SPD-Wahlkampfes von 1998, mit dem die Sozialdemokraten die Regierung Helmut Kohl ablösten. Als SPD- Fraktionschef im Bundestag ging er zwischen 2002 und 2005 energisch gegen parteiinterne Kritiker und Abweichler in der eigenen Fraktion vor. Der gebürtige Sauerländer hat zwei erwachsene Töchter.

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