Portrait
Jens Bullerjahn – ein unbekanntes Urgestein

Über die Grenzen Sachsen-Anhalts ist Jens Bullerjahn kaum bekannt. In der Landespolitik hingegen ist der 48-Jährige ein alter Hase. Ein Portrait.
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MagdeburgIm Wahlkampf übte sich Jens Bullerjahn im Spagat. Einerseits musste er die regierende große Koalition als Erfolgsmodell verkaufen, andererseits den Eindruck vermitteln, dass es noch besser geht, wenn die SPD den Regierungschef stellen würde. Dem SPD-Politiker spielte in die Karten, dass CDU-Ministerpräsident Wolfgang Böhmer aus Altersgründen nicht zur Wahl antrat. Den Landesvater musste Bullerjahn nicht angreifen, sondern konnte frech behaupten: „Ich bin derjenige, der das fortführt.“

Damit wird es nichts, die SPD ist hinter der CDU und der Linken nur drittstärkste Kraft im Land. Ein rot-rotes Bündnis unter Führung der SPD, das sich der verheiratete Familienvater bis zuletzt offengehalten hatte, wird es nicht geben. Aller Voraussicht nach wird die SPD wieder Junior-Partner in einer großen Koalition.

Trotz eines kurzen Zwischenspiels als Vizeparteichef der Bundes-SPD ist der gelernte Elektroingenieur über die Grenzen Sachsen-Anhalts hinaus kaum bekannt. In der Landespolitik hingegen ist der 48-Jährige ein alter Hase: Seit 1990 ist er Mitglied des Landtages, war in den 90er-Jahren schon Strippenzieher der als „Magdeburger Modell“ bekanntgewordenen, von der damaligen PDS tolerierten SPD-geführten Minderheitsregierung. Bullerjahns Partner bei den Sozialisten war damals Wulf Gallert, der bei der Wahl für die Linkspartei an den Start ging.

Bullerjahn zog vor fünf Jahren als SPD-Spitzenkandidat in die Landtagswahl und wurde danach Finanzminister. In dieser Funktion kämpft er mit Sachsen-Anhalts großem Schuldenberg. Sein Ziel ist, dass das Land spätestens im Jahr 2013 mit der Tilgung der Verbindlichkeiten in Höhe von 20 Milliarden Euro beginnen kann. Immer wieder legt er Konzepte auf den Tisch, mit denen er das Land finanziell besser aufstellen will. Dabei hatte er stets die Rückendeckung von Ministerpräsident Böhmer.

Allein als Sparfuchs ist Bullerjahn im Wahlkampf allerdings nicht unterwegs gewesen. Sein Motto lautet „Konsolidieren und gestalten“, beispielsweise über eine Rückkehr zum Anspruch auf ganztägige Betreuung für alle Kinder. Auch die in der Partei ungeliebte Rente mit 67 hat er von Beginn an unterstützt – und sich von diesem Kurs auch nicht distanziert.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • wie wahr

  • Rente mit 67 ... hat Bullerjahn unterstützt ... sind die blöde in Sachsen? Warum wählt man denn so einen neoliberalen Fatzke?

    Nur so, zur Erinnerung: In Frankreich sind die Bürger auf die Barrikaden gegangen, weil die Rente auf ein Alter von 60 (in Worten: SECHZIG) angehoben wurde.

    Und hier schuften alle bis sie ins Grab fallen, damit Deutschland die maroden EU-Staaten finanzieren kann.

    Ich glaub Einstein hat das mal gesagt: Das Universum und die menschliche Dummheit sind unendlich, nur beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

    Thats it.

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