6 Bewertungen ****
03.07.2008 
Verkaufsprozess

Postbank muss kein nationaler Champion sein

von Sven Afhüppe und Donata Riedel

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat Spekulationen zurückgewiesen, dass sich die Regierung für einen Verkauf der Postbank an eine deutsche Bank einsetzt. „Es wird keinen politischen Preis für eine nationale Lösung geben“, sagte Steinbrück im Interview mit dem Handelsblatt.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück will mögliche Arbeitsplatzverluste in die Entscheidung über den Postbank-Verkauf einbeziehen. Foto: ReutersLupe

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück will mögliche Arbeitsplatzverluste in die Entscheidung über den Postbank-Verkauf einbeziehen. Foto: Reuters

HB BERLIN. Der Finanzminister betonte, dass es einen fairen Bieterwettbewerb geben werde. Alles andere könnten die operativ Verantwortlichen auch gar nicht vertreten.

Der Bund, der über die Förderbank KfW indirekt Großaktionär des Post-Konzerns ist, hat bei dem Verkauf ein wichtiges Mitspracherecht. Der Staat besitzt ein Vetorecht, an wen die Postbank veräußert wird. Dieses Recht läuft Anfang 2009 aus.

Die Deutsche Post AG hatte Ende Juni offiziell Gespräche über einen möglichen Verkauf ihrer Tochter Postbank bestätigt. Neben der Deutschen Bank und der Commerzbank haben in den vergangenen Monaten auch ausländische Geldhäuser Interesse an der Postbank geäußert. Dazu gehören Lloyds aus Großbritannien, ING aus den Niederlanden und Santander aus Spanien.

Steinbrück unterstrich jedoch sein grundsätzliches Interesse an einer nationalen Lösung. „Ich bin an einem starken deutschen Finanzplatz mit nationalen Champions interessiert. Banken gehören für mich genauso wie Telekommunikation, Energie und Logistik zu den Schlüsselbranchen, die wir in Deutschland halten sollten“, sagte er. Der Verkaufsprozess soll nach den Vorstellungen des Finanzministers noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. „Es wäre wünschenswert, wenn wir noch in diesem Jahr einen neuen Partner für die Postbank finden könnten“, sagte Steinbrück.

Gleichzeitig betonte Steinbrück, dass auch mögliche Arbeitsplatzverluste in die Entscheidung über den Postbank-Verkauf einbezogen werden. „Die Auswirkungen auf die deutschen Arbeitsplätze wird man bei den Verkaufsverhandlungen natürlich berücksichtigen müssen. Die beschäftigungspolitischen Aspekte spielen bei der Entscheidung eine ebenso wichtige Rolle wie der Verkauferlös und das künftige Geschäftsmodell“, sagte Steinbrück weiter.

In dem Interview sprach sich Steinbrück zudem für eine schnelle Konsolidierung im gesamten Bankensektor aus, an dem Drei-Säulen-Modell will er jedoch festhalten. „Die Gewinnmargen im deutschen Finanzsektor sind zu gering, um im weltweiten Wettbewerb mithalten zu können. Deshalb sollte es zunächst zu einer Konsolidierung innerhalb der jeweiligen Säulen kommen, damit die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Banken steigt“, sagte Steinbrück. Unterm Strich hinke der deutsche Finanzsektor der Bedeutung unserer realwirtschaft im internationalen Vergleich hinterher.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Krönung und Konfetti

    Krönung und Konfetti

    Der Parteitag der Demokraten ist im vollen Gang. Die Show in Denver soll Begeisterung und Siegesgewissheit vermitteln. Es geht darum, die Herzen der Amerikaner zu gewinnen. Bildergalerie 

  • Südossetien und Abchasien...

    Südossetien und Abchasien – abtrünnig und weitgehend isoliert

    Die autonomen Gebiete Südossetien und Abchasien in Georgien gelten seit vielen Jahren als Konfliktherde. Beide hatten sich nach dem Zerfall der Sowjetunion in Bürgerkriegen von Georgien abgespalten. Von der internationalen Gemeinschaft werden sie bis heute aber nicht a...Bildergalerie 

  • Aus dem Frühling in einen...

    Aus dem Frühling in einen frostigen Winter

    In dieser Woche jährt sich das Ende des „Prager Frühlings“ von 1968. Damals wollten tschechoslowakische Reformer das totalitäre System an eine Demokratie annähern. Der Versuch scheiterte in der Nacht zum 21. August 1968, als sowjetische Panzer auf Prag vorrückten.Bildergalerie 

  • „Das Schlimmste steht noc...

    „Das Schlimmste steht noch bevor“

    Die Finanzkrise beherrscht das diesjährige Treffen der Wirtschafts-Nobelpreisträger in Lindau. Die Top-Ökonomen Clive Granger, Daniel McFadden, John Nash und Myron Scholes analysieren für das Handelsblatt die Ursachen und skizzieren Wege aus der Krise. Bildergalerie 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Amerika verstehen  Artikel in Merkliste

29.08.2008 von Markus Ziener

So sieht machtvolles Selbstbewusstsein aus: Barack Obama hat am Donnerstagabend demonstriert, was er will. Nicht etwa ehrenhaft mitspielen um den wichtigsten Job in den USA, sondern mit voller Kraft voraus ins Weiße Haus einziehen. Aber ist nach seiner Rede klarer geworden, was er will? Ja und nein. Kommentar