Potential einer linken Bundesregierung: Mit Rot-Rot-Grün gegen die Merkel-Ära

Potential einer linken Bundesregierung
Mit Rot-Rot-Grün gegen die Merkel-Ära

Ist gegen Angela Merkel im Kanzleramt kein Kraut gewachsen? Bei SPD, Linken und auch einigen Grünen formiert sich eine Gegenbewegung. Das Ziel: ein linkes Regierungsbündnis. Das scheint auch SPD-Chef Gabriel zu gefallen.
  • 12

BerlinElf Monate vor der Bundestagswahl sind die Zeiten vorbei, in denen sich Wegbereiter möglicher neuer Regierungsbündnisse nur geheim oder weitgehend unbeachtet trafen. An diesem Dienstag kommen rund 90 teils durchaus bekannte Politiker von SPD, Linken und Grünen mitten im Zentrum des politischen Berlins, im Reichstagsgebäude, zusammen – eine rot-rot-grüne Lockerungsübung in turbulenten Zeiten.

Und die gewinnt durch einen weiteren Auftritt an Bedeutung: Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung will sich SPD-Parteichef Sigmar Gabriel heute Abend mit Vertretern von Linkspartei und Grünen an einen Tisch setzen, um über mögliche Perspektiven zu diskutieren.

Noch in der vergangenen Woche gab es einen kräftigen Dämpfer für Rot-Rot-Grün-Befürworter. Ein Vorstoß für eine gemeinsame Kandidatin als neue Bundespräsidentin blieb ein Rohrkrepierer. Bei einem Telefonat von Gabriel und Bernd Riexinger (Linke) fiel der Name der evangelischen Theologin Margot Käßmann. Aus dem Umfeld der beiden wurde der Name aber in die Öffentlichkeit durchgestochen, SPD und Linke gaben sich hinter vorgehaltener Hand gegenseitig die Schuld. Die Betroffene lehnte dankend ab – und die beiden Spitzenpolitiker standen blamiert da.

Gabriel will die rot-rot-grüne Machtoption nicht von vorneherein aufgeben. Seine Sozialdemokraten zwischen Stolz und Verzweiflung kriechen trotz mancher inhaltlicher Erfolge in der großen Koalition in Umfragen bei 22 bis 24 Prozent herum. Wenn die SPD von vorneherein darauf setzt, an der Seite der Union weiterregieren zu können, müsste sie sich eigentlich gar nicht weiter damit quälen, ob Gabriel Kanzlerkandidat werden soll, meinen manche. Kanzlerin bliebe wohl ohnehin Merkel. Ist also „R2G“ (hipp für Rot-Rot-Grün) die Lösung?

SPD-Fraktionsvize Axel Schäfer sieht in dem Umstand, dass sich Parteichef Sigmar Gabriel heute mit Vertretern von Grünen und Linkspartei treffen will, keine Unstimmigkeiten in der Partei. „Dass sich Sigmar Gabriel heute ebenfalls mit Vertretern von Linkspartei und Grünen trifft, ist keine Konkurrenzveranstaltung“, sagte Schäfer dem Handelsblatt (Mittwochsausgabe). „Unser Parteivorsitzender sitzt regelmäßig mit führenden Leuten der anderen Parteien beim Essen oder Kaffee zusammen.“

Hintergrund ist eine Meldung der Süddeutschen Zeitung, nach der sich der SPD-Chef persönlich an diesem Dienstag im kleinen Kreis mit Linken und Grünen an einen Tisch setzen will, um Perspektiven für 2017 auszuloten. Zur gleichen Zeit treffen sich unter dem Namen r2g rund 90 Abgeordnete von SPD, Linkspartei und Grünen. Hier wollte Gabriel nicht teilnehmen.

„Wir müssen unser eigenes Profil so klar wie möglich machen. Außerdem müssen wir schauen, welche Machtoptionen damit verbunden sind“, sagte Schäfer dem Handelsblatt. „Wir gehen raus aus dem Hinterzimmer.“ Die Verhältnisse hätten sich verändert. Durch die Bundespräsidentenwahl und die Gefährdung von Rechts habe sich „ein Fenster aufgetan“. Nun seien progressive Lösungen nötig. Mit einem rot-rot-grünen Bündnis könnten Themen verwirklicht werden, die zum klassischen sozialdemokratischen Traum gehören, wie Aufstieg durch Bildung, Chancengleichheit, die Schere zwischen Arm und Reich schließen oder mehr Flexibilität beim Renteneintritt. „Es geht um soziale Gerechtigkeit“, betonte Schäfer.

Kommentare zu " Potential einer linken Bundesregierung: Mit Rot-Rot-Grün gegen die Merkel-Ära"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • R2G

    So so, seit 2008 sollen sich Grüne, Kommunisten und Sozis also am Prenzlauer Berg konspirativ getroffen haben, um den linken Umsturz in Berlin zu bewirken.

    Das wird nicht hinhauen.

    Meine Hoffnung ist, dass die AfD so stark wird, dass Sie einen Keil zwischen R2G, Grokos oder Rechts-Neoliberalistische Tendenzen schieben kann.

    Meine Rechnung für die Bundestagswahl 2017:

    SPD 18%, Grüne 11%, Linkspartei 10%, AfD 25%, CDU 28%, FDP 4,5% plus Rest 3,5% .

    Die Leute haben einfach die Schnauze von den etablierten Parteien voll !!!

  • Nein, eine Künast, Göring-Eckert oder Claudia Roth als Kanzlerin. Oder besser noch einen Volker Beck.

    Die würden sich auch wählen lassen. Ganz bestimmt.
    Etwa 10 bis 15% des Volkes wählt die auch.

    Wer sind eigentlich dieser Wähler?

    Aaah, noch schlimmer.

    Verstehe!

  • Mit Rot-Rot-Gruen wird die Fahrt in den Abgrund an Geschwindigkeit aufnehmen. Man sollte nicht davon ausgehen das sich Realisten wie Gysi, Wagenknecht oder Palmer durchsetzen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%