Potenzial für Deutschland
Brüderle umschwärmt Chinas Märkte

2008 durchbrach der Warenaustausch zwischen China und Deutschland erstmals die 100-Milliarden-Schwelle. Laut Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), der momentan persönlich in Fernost für Technologie made in Germany wirbt, soll der Handel weiter ausgebaut werden. Die deutsche Wirtschaft will und soll vom Wandel in der chinesischen Wirtschaft profitieren.
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PEKING. Die deutsche Wirtschaft will vom Wandel in der chinesischen Wirtschaft profitieren. China wolle seinen Dienstleistungssektor in den nächsten fünf Jahren für 1 000 Mrd. Dollar ausbauen, sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in Peking nach Gesprächen mit der chinesischen Führung. Dies biete deutschen Banken, Versicherungen und Speditionen sowie im Design- und Forschungsbereich große Chancen.

Ausländische Firmen könnten davon ausgehen, dass es in China "mit der Öffnung der Märkte vorangeht", sagte Brüderle. Auch in der Umwelttechnologie gebe es sehr viele Potenziale, sagte der Minister mit Blick auf den seit Montag laufenden Weltklimagipfel in Kopenhagen. China habe großes Interesse an Technologien zur Energieeffizienz aus Deutschland. "Hier wird die Zusammenarbeit weiter wachsen", betonte Brüderle, der einen Ausbau des Handels mit China ankündigte. 2008 hatte der Warenaustausch zwischen den beiden Ländern erstmals die 100-Milliarden-Schwelle durchbrochen.

100-Milliarden-Euro-Schwelle

Brüderle ist der erste Minister der neuen Bundesregierung, der Peking besucht. Entsprechend groß war der Empfang für den FDP-Politiker. Neben dem Handelsminister kam Brüderle auch mit dem für Wirtschaft zuständigen Vize-Ministerpräsident Wang Qishan zusammen. Brüderle kennt China, schon als rheinland-pfälzischer Wirtschaftsminister war er oft hier. So plaudert er abends an der Hotelbar kenntnisreich über die Geschichte Chinas und versteht die Pekinger Auslandskorrespondenten mit Anekdoten zu unterhalten. Brüderle, das merkt man schnell, ist endlich mal ein Wirtschaftsminister, der genau dieses Amt wollte, nach Michael Glos, der hinein stolperte und letztlich daran scheiterte, und Karl-Theodor zu Guttenberg, dem es zugeflogen war.

Brüderle weiß aber auch, dass die größten Herausforderungen auf ihn nicht im Ausland, sondern in der Heimat warten, und dass die zweitägige Stippvisite nach China letztlich noch wenig darüber aussagt, ob er dem neuen Amt wirklich gewachsen ist. Da geht es um andere Fragen: Kann er seine Haltung zu Staatshilfen für Opel durchhalten? Will er die Einführung weiterer branchenspezifischer Mindestlöhne wirklich blockieren? Und wie gelingt es ihm, dem Energiekonzept, das er gemeinsam mit Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) bis Oktober nächsten Jahres erarbeiten soll, seinen Stempel aufzudrücken.

Vor allem im Umweltbereich bahnen sich auch mit China Konflikte an. Zur Reduzierung von Treibhausgasen fordert Peking kostenlosen Zugang zu modernen Umwelttechnologien. Eine solche Bereitstellung ohne Lizenzgebühren verstoße aber gegen die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO), betonte der Vorsitzende des Asien-Pazifik-Ausschusses (APA), BASF-Chef Jürgen Hambrecht. "Das kann nicht in unserem Interesse sein", fordert Hambrecht eine harte Haltung der deutschen Industrie.

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