Potenzial für Tourismus
Merkel entdeckt Naturschutz als Wirtschaftsfaktor

Angela Merkel zeigt Umweltbewusstsein: Die Bundeskanzlerin sprach sich jetzt für eine stärkere Beachtung des Naturschutzes in Deutschland aus. Gerade in strukturschwachen Gebieten seien Biosphärenreservate, Naturparks und Nationalparks ein Wirtschaftsfaktor.

HB BONN. Der Naturschutz bilde die „Grundlagen für einen florierenden Tourismus“, sagte Merkel am bei einem Festakt zum 100-jährigen Bestehen des Naturschutzes als Staatsaufgabe.In Deutschland gibt es derzeit 14 Nationalparke, 14 Biosphärenreservate, 92 Naturparke und 7 652 Naturschutzgebiete. Das vielfältige Naturerbe sei Teil des Reichtums Deutschlands, betonte die CDU-Vorsitzende. Viele besonders schutzwürdige Gebiete befänden sich im Bereich der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Es sei „mehr als ein Symbol, in der Tat ein emotionales Erlebnis, dass aus lebensfeindlichen Grenzgebieten ein grünes Band wird, das uns in Deutschland verbindet, Ost und West, von der Ostsee bis zum Bayerischen Wald“, sagte Merkel.

Die CDU-Chefin wies darauf hin, dass sich Union und SPD in den Koalitionsverhandlungen sehr schnell einigen konnten, 80 000 bis 125 000 Hektar Naturflächen aus Bundesbesitz unentgeltlich in eine Bundesstiftung einzubringen oder an die Länder zu übertragen. Das sei ein Geschenk in der Fläche von etwa zehn Nationalparks.

Der Deutsche Naturschutzring (DNR) und zahlreiche weitere Umweltverbände warnten allerdings vor Bestrebungen der Länder, diese Flächen im Zuge der normalen Land- und Forstwirtschaft weiter zu nutzen. „Das würde das großartige Geschenk des Bundes in das völlige Gegenteil verkehren“, erklärte DNR-Präsident Hubert Weinzierl. Die Umweltverbände fordern, dass die Naturerbe-Flächen einer natürlichen Entwicklung überlassen werden und keinerlei wirtschaftlichen Nutzung unterliegen dürfen. Wo auf ausgewählten Flächen eine Nutzung aus naturschutzfachlichen Gründen notwendig sei, seien strenge Auflagen erforderlich.

Merkel bekräftigte die von der Bundesregierung eingegangenen internationalen Verpflichtungen zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Diese sei auch „eine wichtige Basis für Forschung, Entwicklung und technische Innovation“, sagte sie. „Der Mensch kann von der Natur viel lernen, wenn er sie nicht kaputt macht.“ Bionik könne sich die Erfolge der Natur zu Nutze machen. Beispielsweise leuchteten Glühwürmchen mit einem Energie-Wirkungsgrad von 99 Prozent. „Da träumt jeder Kraftwerksbetreiber davon.“

Know-how im Ausland nutzen

Der Bundeskanzlerin und ehemalige Bundesumweltministerin hob die Bedeutung des Klimaschutzes für die Erhaltung der Artenvielfalt hervor. Die Industrieländer seien verpflichtet, mit ihrem Know-how den Entwicklungsländern zu helfen und frühzeitig gegen Verschlechterungen beim Klimaschutz vorzugehen. In Deutschland entwickelte Technologie zur Verminderung des C02-Ausstoßes könne sich zudem auch als wirtschaftlich erfolgreich erweisen.

Merkel rief dazu auf, die Ängste der Entwicklungsländer vor einem Raubbau an ihrer Natur ernst zu nehmen. „Man kann ihnen ihre Natur kaputt machen oder stehlen“, sagte sie. Diese Befürchtungen verursachten Verkrampfungen und Verstimmungen. Eine gute Kooperation mit diesen Ländern im Bereich der natürlichen Ressourcen könne besseres Verständnis auch in außenpolitischen Belangen und bei der Friedenssicherung bewirken.

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