Potenzial nicht voll ausgeschöpft
USA drängen Berlin zu Reformen

Amerikanische Unternehmen erhoffen sich von einer Großen Koalition zumindest bescheidene Reformschritte. "Es gibt keine Alternative, wenn die Deutschen ihren Wohlstand einigermaßen halten wollen", sagt Gary Litman von der US-Handelskammer, dem größten Wirtschaftsverband des Landes.

WASHINGTON. Litman mahnt vor allem den Abbau von Regulierungen an, um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen: "Der Wust an Vorschriften schreckt amerikanische Investoren ab, die neue Produkte oder Dienstleistungen auf den Markt bringen wollen." Darüber hinaus klagten viele US-Firmen, dass es in Deutschland nicht genug gut ausgebildete und flexible Fachkräfte gebe. Hier mache sich in der Praxis bemerkbar, was schon die Pisa-Studie über die Schulen gesagt habe.

Als weiteres Manko nennt Litman, dass der Arbeitsmarkts zu starr sei. "Wir erwarten nicht, dass Deutschland das amerikanische ?Hire-and-fire?-Modell übernimmt", betont der Europa-Chef der US-Handelskammer. "Aber im Einzelfall sollten längere Arbeitszeiten, mehr Teilzeitkräfte oder eine minimale Lockerung des Kündigungsschutzes möglich sein." Obwohl die deutsche Industrie Exportweltmeister sei, habe sie ihr Potenzial nicht voll ausgeschöpft. Auf die designierte Bundeskanzlerin Angela Merkel warte hier eine "große Führungsaufgabe".

Dennoch sieht Litman auch Lichtblicke. So seien die Lohnstückkosten in Deutschland seit 1999 um 13 Prozent zurückgegangen. Frankreich verzeichne hingegen im gleichen Zeitraum eine Zunahme von mehr als sieben Prozent. "Viele Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren restrukturiert und sind für amerikanische Investoren attraktive Übernahme-Kandidaten", unterstreicht Litman. Im ersten Halbjahr 2005 hätten Amerikaner rund 500 Firmen in Europa aufgekauft - die meisten davon in Deutschland.

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