Potsdamer Überfall
Schönbohm legt gegen Bundesanwaltschaft nach

Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) hat seine Kritik an der Bundesanwaltschaft erneuert: Sie hätte den Überfall auf einen Deutsch-Äthiopier in Potsdam unnötig aufgebauscht, indem sie die Ermittlungen an sich gezogen habe.

HB POTSDAM. „Diese Straftat hätte auch in Brandenburg alleine aufgeklärt werden können und aufgeklärt werden müssen“, sagte Schönbohm in der ARD-Sendung „Sabine Christiansen“. „Ich habe in Frage gestellt, ob die innere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland durch diese Straftat bedroht ist, denn der Generalbundesanwalt hat ja selber begründet, dass dies so ist, und das scheint mir überzogen“, begründete Schönbohm seine Kritik.

Schönbohm sagte, ein rechtsradikaler Hintergrund des brutalen Überfalls auf den Farbigen, der seit der Tat in lebensbedrohlichem Zustand im Koma liegt, sei nicht bewiesen: „Wir stehen erst am Anfang der Untersuchung.“ Er vertrete die Auffassung: erst den Sachverhalt klären, und dann bewerten, sagte Schönbohm. „Viele haben eine Bewertung vorgenommen, ohne den Sachverhalt zu klären.“

Auch der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Wolfgang Bosbach, warnte vor voreiligen Schlüssen. „Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist noch nicht unzweideutig klar, dass diese Tat einen rechtsradikalen Hintergrund hat“, betonte er. Auch sei noch nicht eindeutig, dass die beiden Beschuldigten tatsächlich die Täter seien. „Zuerst muss der Sachverhalt vollständig aufgeklärt werden. Erst danach kann man eine Bewertung anfangen.“

Generalbundesanwalt Kai Nehm hatte die Übernahme der Entwicklungen mit einem möglichen fremdenfeindlichen Tatmotiv begründet, das geeignet sei, die innere Sicherheit Deutschlands zu beeinträchtigen. Mittlerweile sitzen zwei Männer in Untersuchungshaft, bei denen es sich nach Ansicht der Ermittler um die Täter handelt. Einer der beiden soll jener Sprecher sein, der das Opfer als „Scheiß Nigger“ titulierte. Da der Überfallene zu diesem Zeitpunkt gerade telefonierte, wurde der Wortwechsel von der Handy-Mailbox von der Frau des Opfers aufgezeichnet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%