Präsidenten-Affäre: Wulff-Freund bekommt kalte Füße

Präsidenten-Affäre
Wulff-Freund bekommt kalte Füße

Wulff-Freund David Groenewold hat dem Bundespräsidenten eine Übernachtung auf Sylt spendiert. Groenewold kämpft um seinen Ruf - mit nicht ganz sauberen Mitteln. Ein Fall für die Staatsanwaltschaft.
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DüsseldorfDie reichen Freunde von Bundespräsident Christian Wulff kriegen kalte Füße. Filmemacher David Groenewold rief am 16. Januar 2012, gut einen Monat nach dem ersten Bericht über die Wulff-Affären, im „Hotel Stadt Hamburg“ an und verpflichtete die Angestellten zu Stillschweigen über einen gemeinsamen Kurzurlaub des 38-Jährigen mit der Familie Wulff auf Sylt. Der damalige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff hatte vom 31. Oktober bis 3. November zusammen mit seiner heutigen Ehefrau Bettina in einer Suite des „Hotel Stadt Hamburg“ übernachtet. Bezahlt hat die Rechnung aber nicht Wulff, sondern Groenewold. Der Preis für Suite Nr. 135 betrug pro Nacht 258 Euro inklusive Frühstück.

"Hr. David Groenewold hat gestern angerufen, wir sollen keinerlei Infos über ihn rausgeben! Er war 2007 mit Hr. Wulff im HSH und hat den gesamten Aufenthalt übernommen. Falls also Bild oder Spiegel anrufen, wir wissen von nichts!", schrieb das Hotel in einer Notiz über den Anruf, die der Bild-Zeitung vorliegt.

Auf Anfrage der Bild-Zeitung sagte Wulffs Anwalt Gernot Lehr: „Die Organisation des Aufenthalts erfolgte durch Herrn Groenewold.“ Dieser habe die Hotelkosten verauslagt. Christian Wulff habe Herrn Groenewold die entstandenen Kosten des Aufenthalts in bar erstattet und „in voller Höhe selbst bezahlt“. Wulffs Anwälte räumten ein, dass das Pauschalangebot von Groenewold für sich und das Ehepaar Wulff gebucht worden sei. „Die Erstattung der von Herrn Groenewold bereits mit der Buchung bezahlten Zimmerkosten erfolgte in bar im Hotel beim Auschecken.“

Der aktuelle Vorfall ist nicht der einzige Ausflug Wulffs, bei dem Groenewold seine Finger im Spiel hatte. Auch einen weiteren von Groenewold bezahlten Sylt-Aufenthalt der Familie Wulff soll der Bundespräsident in bar beglichen haben. Gleiches gilt laut Anwalt Lehr für das gewährte Upgrade im „Bayerischen Hof“ während eines Oktoberfest-Besuchs 2008.

Groenewold scheint nicht uneigennützig zu handeln. 2007 bekam eine kleine Filmfirma eine Bürgschaft des Landes Niedersachsen in Millionenhöhe. Groenewolds Gesellschaft Odeon war zu 50,1 Prozent an der Firma beteiligt. Daher fragte der SPD-Fraktionsvorsitzende Stefan Schostok im niedersächsischen Landtag, mit wie viel Geld Groenewolds Filmprojekte durch das Land gefördert wurden. Die Bundes-SPD fordert jetzt die Staatsanwaltschaft dazu auf, sich den Fall genauer anzusehen. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sagte heute in Berlin, Groenewold habe Wulff offenbar „gefällig gefördert“, um die Filmwirtschaft in Niedersachsen voran zu bringen. Das sei „ein Fall für die Staatsanwaltschaft“, so Oppermann. Die Vorwürfe beschädigten das Amt des Bundespräsidenten weiter, erklärte der SPD-Politiker. Auch die Fraktion der Grünen im niedersächsischen Landtag fordert Ermittlungen. Angeblich will die Staatsanwaltschaft Hannover den gemeinsamen Urlaub von Wulff und Groenewold prüfen. „Wir nehmen die Berichterstattung darüber mit großem Ernst zur Kenntnis“, sagte Sprecher Hans-Jürgen Lendeckel dem „Tagesspiegel“. Teil der Untersuchung sei auch der Vertuschungsversuch Groenewolds.

Nicht nur Wulff, sondern auch sein ehemaliger Sprecher, Olaf Glaeseker, scheint in die Affäre um Groenewold verwickelt. 2005 schaltete der Filmmanager im CDU-Heftchen „Magazin für Niedersachsen“ zwei Anzeigenseiten für den von ihm produzierten Erkan-und-Stefan-Film „Der Tod kommt krass“. Für die beiden Anzeigen zahlte Groenewold 20.000 Euro. Die Chefin des Blattes war ausgerechnet Vera Glaeseker, die Frau des langjährigen Sprechers. Auch Hotelübernachtungen der Glaesekers soll Groenewold übernommen haben.

Mit Material von dapd und Reuters

Saskia Littmann
Saskia Littmann
Wirtschaftswoche

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  • :-) sehr interessant, diese Geschichte...

    Offenbar ist es für manchen Emporkömmling schwierig, sich "ganz oben" zurechtzufinden. So suchte er sich irrtümlicherweise(?) die falschen VIPs aus, weil er dachte, das sei "die obere Gesellschaft" und daß diese "Freunde" ihm auch jede Menge Vorteile brachten, davon hat er ja reichlich Gebrauch gemacht.
    Diese seine Position scheint einfach mehr als eine Nummer zu groß für ihn zu sein.

    Meines Wissens gab es bisher noch keinen Bundespräsidenten, der jemals unter staatsanwaltlich prüfender Beobachtung stand.

  • Eine bescheidene Frage zu dem ganzen Komplex des BundesPräses. Waren alle diese "Förderer" schon vor den Inthronisierung als MP oder als BP reich gesegnet. Wenn sich da der ein oder andere Untergrund von selbst auflöst, da wissen wir wohl, woran wir sind oder?

  • @alfred65

    "Respecktlos"

    Na, denn mal ran an den Speck.

    Ich verstehe ja, worauf Sie hinaus wollen und mir geht diese tägliche Dosis Wulff auch auf den Senkel, ich ärgere mich auch über Journalisten, die bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit ihren "Journalistenrabatt" raushauen und dummschwätzende Sanscullotten, die jetzt einfach mal einen Sündenbock brauchen, der für ihre Sünden in die Wüste gejagt werden muss ... aber:

    Stellen Sie sich doch einfach mal vor, die Staatsanwaltschaft würde ihre Zeit darauf verplempern, jeden anonymen Troll, der seinen Frust über sein verkorkstes Leben im Handelsblatt austobt, auch noch auf die lange To-Do-Liste sezen.

    Trolls gibt's wie Sand am mehr und dieses bißchen heuchlerische Dummgeschwätz, das gehört nun mal dazu, wenn man ein Portion vor-Fastnachts-Alkohol intus hat.

    Nicht ärgern! Grinsen!

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