Präsidentin der Kultusministerkonferenz
„Wir stehen zu Studiengebühren“

Am 22. Oktober treffen sich die zuständigen Minister von Bund und Ländern zum Bildungsgipfel. Annegret Kramp-Karrenbauer fordert, die Zahl der Schulabbrecher zu halbieren. Wie dieses Ziel erreicht werden kann, erklärt die Präsidentin der Kultusministerkonferenz dem Handelsblatt im Interview.

Große Länder fordern vom Bildungsgipfel mehr Umsatzsteuerpunkte vom Bund für die Bildung - ein Traum für Kultusminister?

Die Länder sind sich einig, dass der Bund sich massiv beteiligen muss, wenn er die Bildung glaubhaft auch zu seiner Sache machen will. Deshalb muss er jetzt beweisen, dass er nicht nur an die Länder appelliert, sondern dass er selbst es ernst meint. Im Gegenzug müssen aber die Ministerpräsidenten sicherstellen, dass sie die Demografie-Rendite - also die Ersparnis durch die sinkenden Schülerzahlen - im System lassen, wie die KMK vorschlägt.

Was ist neben dem Geld das Wichtigste am Bildungsgipfel?

Wir müssen klare Ziele definieren: Die Halbierung der Zahl der Jungen und Mädchen die ohne Abschluss die Schule verlassen, und derer die eine Berufsausbildung abbrechen. Hier müssen wir auch die Wirtschaft mit ins Boot nehmen. In der frühen Bildung müssen wir das Personal sichern - etwa durch das Meisterbafög für Erzieherinnen. Hier sind sich KMK und der Bund bereits einig - ein Zustand, den die Ministerpräsidenten noch nicht erreicht haben. Das gilt auch für verbindliche Sprachtests der Vorschüler und die entsprechenden Förderkurse. Zentral ist die Durchlässigkeit, hier gibt es noch viel zu viele Sackgassen und Hürden in Deutschland. Wir müssen uns darauf verständigen, dass beruflich Qualifizierte, wie Meister oder Techniker, einen allgemeinen Hochschulzugang bekommen.

Das gilt doch vielfach schon.

Die Quote der beruflich Qualifizierten, die anschließend studieren, ist im internationalen Vergleich zu gering. Das liegt auch daran, dass es unterschiedliche Zugangsregeln gibt. Schon heute gilt, dass bis zu 50 Prozent der Praxiskenntnisse anerkannt werden können - die Hochschulen tun das aber in sehr unterschiedlicher Intensität.

Bayern und Baden-Württemberg sehen den allgemeinen Hochschulzugang für Meister & Co. kritisch.

Diese Länder haben eine andere Tradition, wollen lieber einen fachgebundene Hochschulzugang. Die Kunst wird sein, dass jeder Beteiligte etwas einbringt in den Gipfel. Die Bürger wollen keinen weiteren Zuständigkeitsstreit.

Reicht das auf die Dauer?

Es ist ein wichtiger Schritt. Grundlage dafür muss sein, dass man künftig stärker als bisher mit einem Berufsabschluss auch den zugehörigen, allgemeinen Schulabschluss erwirbt. Bei den Erzieherinnen haben das die meisten Länder schon eingeführt: Sie erhalten mit Abschluss der Ausbildung in der Regel auch das Fachabitur.

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