Präsidentin Doris Ahnen: „Wir stehen in vielen Punkten erst am Anfang“
Pisa-Forscher: KMK drückt sich vor der Reform der Lehrerbildung

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Doris Ahnen, zeigt sich offen für Reformen des Gremiums. Das Einstimmigkeitsprinzip sei „nicht unverrückbar“, sagte sie gestern auf einer Tagung. Auch die Kosten und die Zahl der derzeit 250 Stellen der Behörde müssten „ständig überprüft“ werden. Ahnen reagierte damit auf Kritik des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU), der mit dem Ausstieg seines Landes aus der KMK gedroht hatte.

HB bag/ BERLIN. Bei den Schulreformen sehen sich die Kultusminister drei Jahre nach dem Pisa-Schock auf dem richtigen Weg. In vielen Punkten jedoch „stehen wir noch ganz am Anfang“, räumte Ahnen, die Kultusministerin von Rheinland-Pfalz ist, ein. Der Lehrerberuf müsse dringend „professionalisiert“ werden, sagte der Koordinator der deutschen Pisa-Studie, Jürgen Baumert. Er forderte, moderne Arbeitszeitmodelle zu entwickeln und die Aus- und Weiterbildung als „Lebens-Prozess“ zu organisieren. Unklar sei auch der Umbau auf das Bachelor/Master-System. Ahnen mahnte an, die Fortbildung stärker an der Nachfrage der einzelnen Schulen zu orientieren.

Baumert, der das Max-PlanckInstitut für Bildungsforschung leitet, zollte der KMK Lob für ihren „neuen Politikstil“: Sie habe in den letzten sieben Jahren mehr bewegt als in den 20 zuvor. Herausragend sei neben der Teilnahme an künftigen internationalen Vergleichsstudien wie Pisa und Iglu vor allem die Einigung auf bundesweit gültige Bildungsstandards, von denen die letzten noch dieses Jahr vorliegen sollen. Zur Überprüfung der Standards hat die KMK erstmals ein bundesweit tätiges, gemeinsames Institut an der HU Berlin gegründet. In fast allen Ländern schreiben Schüler bereits Vergleichstests.

Eckhard Kleinem, Direktor des Instituts für Internationale Pädagogische Forschung, sagte, noch sei jedoch unklar, „was die Standards den Schulen bringen“. Da Vergleiche allein „Angst und Unruhe“ hervorriefen, sei parallel ein „Feedback“ für die Lehrer nötig, wie sie ihren Unterricht verbessern können. Das sei etwa durch Schulbesuche der Experten oder Schülerbefragungen möglich, sagte er dem Handelsblatt.

Fortschritte sieht die KMK bei der Sprachförderung: Die in fast allen Ländern vorgezogenen Anmeldetermine machten es möglich, Kinder früher zu testen und bei Bedarf vor der ersten Klasse in Deutsch zu unterrichten.

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