_

Präsidentschaftswahl: Sympathiewelle für Joachim Gauck bringt Wulff in Bedrängnis

Joachim Gauck kommt als rot-grüner Präsidentschaftskandidat im bürgerlichen Lager überraschend gut an. Einige Landesverbände von CDU und FDP schwanken zwischen Loyalität zum eigenen Kandidaten Wulff und ihrer Sympathie für Gauck. Doch die Chancen des Hochgelobten sind gering - Wulffs Mehrheit steht. Noch.

Präsidentschafts-Kandidat Joachim Gauck: "Mut machen und versöhnen." Quelle: dpa
Präsidentschafts-Kandidat Joachim Gauck: "Mut machen und versöhnen." Quelle: dpa

HB BERLIN. Mehrere Politiker aus dem Lager von Union und FDP haben eine Unterstützung des Oppositionskandidaten für das Bundespräsidentenamt, Joachim Gauck, in Aussicht gestellt. Der langjährige brandenburgische CDU-Vorsitzende Jörg Schönbohm sagte dem „Spiegel“, er frage sich, warum es nicht möglich gewesen sei, „sich im bürgerlichen Lager mit der SPD auf Gauck zu einigen“. Im Gegensatz zu Gauck werde Wulff „deutlich als Unions-Kandidat wahrgenommen“. Bei der Wahl am 30. Juni werde er in der Bundesversammlung dennoch für Wulff stimmen, fügte Schönbohm in der „Bild“-Zeitung hinzu.

Anzeige

Die ehemalige FDP-Präsidentschaftskandidatin Hildegard Hamm-Brücher sagte, sie unterstütze Gauck: „Herr Gauck ist eine hervorragende Idee. Er ist politisch im Pulverdampf erprobt, kommt aber nicht aus der Parteikiste“, erklärte Hamm-Brücher, die inzwischen nicht mehr der FDP angehört.

FDP-Vorstandsmitglied Wolfgang Kubicki bezeichnete Gauck im NDR als „eine herausragende Persönlichkeit“ und einen guten Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. „Und ich habe mich selbst gefragt, wie viele meiner Parteifreunde, warum wir, also FDP und CDU, nicht auf die Idee gekommen sind, Herrn Gauck zu nominieren.“ Er gehe aber davon aus, dass es eine Mehrheit für Wulff geben werde.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sagte hingegen, er zweifle nicht daran, „dass CDU, CSU und FDP in der Bundesversammlung geschlossen für Wulff“ stimmten. Die „billigen Attacken von SPD und Grünen auf Christian Wulff“ zeigten, dass die Opposition nichts dazugelernt habe. Schon deren Äußerungen über Horst Köhler hätten „eindeutig den nötigen Respekt vermissen lassen“, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“.

Sympathien für Gauck gibt es auch in der ostdeutschen FDP. Der sächsische FPD-Chef Holger Zastrow sagte der „Welt am Sonntag“, es gebe keinen Blankoscheck für Wulff. „Ich persönlich habe große Sympathien für Joachim Gauck“, erklärte er.

  • 06.06.2010, 21:21 UhrAnonymer Benutzer: Lore Colore

    Für uns, das Volk, wäre es doch so wichtig, dass der Mensch, der unsere interessen vertreten soll, auch von uns direkt gewählt werden kann. Da bekommen wir wieder jemand vorgesetzt, der von den Parteien im Hinblick auf ihre eigenen interessen ausgesucht wurde. Einen, von dem sie ausgehen können, dass er "spurt". ich wünsche mir einen bundespräsidenten mit starkem Charakter, der nicht zurückschreckt, wenn ihm von den Parteien auf die Finger geklopft wird, weil er für Volk und Land etwas fordert, das ihnen nicht passt, und der das Mobben aushält. Herrn Gauck würde ich sofort wählen.

  • 06.06.2010, 17:34 UhrAnonymer Benutzer: Denker

    Der bundespräsident wird nicht von der bundesversammlung, sondern von 3 Personen gewählt: Merkel, Westerwelle und Seehofer. Die gesamte Parteiarmee wird dem Willen ihrer Vorsitzenden folgen...
    Das Amt könnte man der Republik eigentlich ersparen.
    Der Präsident hat keine befugnisse, und repräsentiert nicht unser Land, sondern die derzeitige Regierungsmehrheit.

    Zudem halte ich es für extrem dumm, einen 50-jährigen als Repräsentant einer Regierung zu wählen, die vermutlich in 5 Jahren diese Mehrheit nicht mehr hat. Und selbst wenn, dann geht der Repräsentant spätestens mit 60(!) in den Ruhestand und erhält 100% seines Soldes bis ans Lebensende!

    besonders pikant: Wulff darf nicht Ministerpräsident und bundespräsident gleichzeitig sein. Um kein Risiko einzugehen wird er also wohl erst NACH dem entscheidenden Wahlgang als Ministerpräsident zurücktreten...oder auch nicht?

  • 06.06.2010, 15:16 UhrAnonymer Benutzer: Versteher

    Herr Gauck sollte sich klar machen, dass er ebenso nur aus parteitaktischem Kalkül vorgeschlagen wurde. Hätte die SPD eine Siegchance für einen "ihrer" Leute gesehen, wäre Gauck niemals ins Rennen gegangen. Denn - wie er selbst sagt - trennt ihn von dieser Partei so manches. Jetzt der gleichen Partei "überparteiliches" Denken zu bescheinigen, die sich - obwohl nach eigener Aussage von der Notwendigkeit überzeugt - der Zustimmung zu den Griechenlandhilfen verweigert hat, ist politisches Schmierentheater. Pfui, deutsche Presse!

  • Die aktuellen Top-Themen
Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.

Wüstenrot-Studie: Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Rund 44 Prozent der Deutschen halten die Preise für Häuser und Wohnungen für deutlich überhöht. Sie fürchten sich vor einer Immobilienblase. Vor allem die Bürger eines Bundeslandes sind besonders skeptisch.

Politik versus Wirtschaft: Wie viel Kritik ist erlaubt?

Wie viel Kritik ist erlaubt?

Für Politiker sind Megaveranstaltungen wie der ESC in Aserbaidschan und die WM in Katar Anlass, mehr Demokratie zu fordern. Deutsche Unternehmen hoffen jedoch auf Großaufträge - und geraten schnell zwischen die Fronten.