Präsidentschaftswahlkampf
Schwan auf Zick-Zack-Kurs

Die Präsidentschaftskandidatin der SPD hält langfristig eine Koalition mit der Linken für möglich - und stellt sich damit gegen die eigene Parteispitze. Die Linken selbst finden Schwan zwar "inhaltlich nicht überzeugend", wollen aber über ihre Position erst nach einer anderen wichtigen Wahl entscheiden.

BERLIN. Die SPD-Spitze setzt weiter auf Abgrenzung von der Linkspartei - die sozialdemokratische Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan hingegen hält eine Annäherung beider Parteien zumindest langfristig für möglich. "Das wird aber noch Jahre dauern, denn im Moment sind die grundsätzlichen Unterschiede in vielen zentralen Fragen zu groß", sagte die Hochschulpräsidentin auf die Frage der "Bild"-Zeitung, ob irgendwann sogar eine Vereinigung denkbar sei.

Generell plädiert Schwan dafür, bei künftigen Wahlen Koalitionen nicht mehr grundsätzlich auszuschließen, also auch rot-rote Bündnisse nicht zu verteufeln. "Die Politik muss mit den Ergebnissen einer Wahl klarkommen - ob sie will oder nicht. In einem Fünf-Parteien-System werden wir diesbezüglich noch manche Überraschung erleben", sagte die Politologin.

Aller Voraussicht nach kann Schwan bei der Wahl des nächsten Bundespräsidenten nur mit Hilfe der Stimmen der Linkspartei siegen, denn Stimmen aus dem Lager von Union und FDP dürften kaum erreichbar sein. Der bürgerliche Block hat sich bereits auf eine Wiederwahl von Horst Köhler festgelegt.

Die jüngste Charmeoffensive Schwans ist Teil ihres Zick-Zack-Kurses im Umgang mit der ungeliebten Linken. Unmittelbar nach ihrer Nominierung hatte Schwan angekündigt, auch bei den Linken um Unterstützung werben zu wollen. Dem folgte jedoch eine Attacke auf Linksparteichef Oskar Lafontaine, den sie als Demagogen bezeichnete. Zudem warf sie der Linken vor, keine Rezepte für die Zukunft zu haben.

Seither überlegen die Linken besonders laut, ob sie eine eigene Kandidatin aufstellen sollen. Schwan jedenfalls könne man nicht wählen, weil sie inhaltlich nicht überzeuge, sagte Lafontaine. Er will nun gemeinsam mit Co Lothar Bisky und Co-Fraktionschef-Parteichef Gregor Gysi entscheiden, welche Kandidaten sie ansprechen wollen. Als mögliche Namen wurden bereits die ostdeutschen Autorinnen Christa Wolf und Daniela Dahn genannt. Gysi dementierte jedoch konkrete Pläne und entschuldigte sich bei den Betroffenen.

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