Erstmals machen sich Hochschulen und Wirtschaft gemeinsam auf den Weg, beruflich Qualifizierten den Zugang zum Studium zu erleichtern. DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun und die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, haben vereinbart, Hürden für Praktiker aus dem Weg zu räumen.
BERLIN. Von Bund und Ländern fordern sie als Basis einheitliche Regeln. Nötig seien "einfache und nachvollziebare Wege ins Studium" heißt es in dem Abkommen, das dem Handelsblatt vorliegt.
Die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung ist ein zentrales Thema des Bildungsgipfels der Kanzlerin kommende Woche. Hintergrund ist, dass in Deutschland nur rund ein Prozent aller Studenten kein Abitur haben, sondern über die berufliche Bildung an die Universitäten kommen. Das soll sich ändern, um den steigenden Akademikermangel zu bekämpfen. Dafür müssen die 16 Länder ihre unterschiedlichen Regeln, wann Meister, Techniker oder gar Gesellen an die Hochschule dürfen, vereinheitlichen. Dabei müssten auch sinnlose Regeln, die etwa am Alter oder am Wohnort des Bewerbers anknüpfen, wegfallen, fordern Braun und Wintermantel. Ein einmal gewährter Hochschulzugang müsse dann bundesweit gelten.
Unklar ist bisher jedoch, wie weit die Öffnung ausfallen soll. Die Kultusminister fordern einen allgemeinen Hochschulzugang für Meister - darauf wollen sich die Länder bisher nicht festlegen, weil einige von ihnen den Praktikern nur ein Studium in einem Fach erlauben wollen, das mit ihrer Berufsausbildung verwandt ist. Mittelfristig müsse man auch Gesellen das Tor zu den Hochschulen aufsperren, meint etwa Annegret Kramp-Karrenbauer, Präsidentin der Kultusministerkonferenz. Dafür gibt es aber derzeit erst recht keine politische Mehrheit.
Das Wissen, das Praktiker mitbringen, müssen die Hochschulen künftig "fair und ohne Diskriminierung" anerkennen, verspricht die HRK. Bisher wirkt es auf viele Interessierte abschreckend, dass sie trotz Vorkenntnissen in der Regel das komplette Studium durchlaufen müssen. Es gibt zwar in den Landesgesetzen und Prüfungsordnungen auch heute schon Anerkennungsregeln - die seien aber "zu schwierig und intransparent". Künftig "darf beruflich Qualifizierten nicht abverlangt werden, über bereits nachgewiesene Kompetenzen noch einmal geprüft zu werden", heißt es in der Vereinbarung. Ziel müsse sein, dass "Praktiker ohne Auflagen in höhere Semester einsteigen können".
Im Idealfall sollen die Hochschulen vor Ort mit den Kammern pauschal vereinbaren, was in welchem Studium wie angerechnet wird. Daraus sollen möglichst sogar bundesweite einheitliche Regeln entstehen.
Bund und Länder müssten allerdings mehr Mittel zur Verfügung stellen, damit die Hochschulen Praktikern Vorbereitungskurse für wissenschaftliches Arbeiten oder fachliche Nachhilfe anbieten können, fordern Braun und Wintermantel.
Daneben drängen HRK und DIHK die Hochschulen, mehr Studiengänge anzubieten, die auch parallel zum Beruf zu bewältigen sind, also etwa mit Kursen am Abend oder am Wochenende. Bislang ist das Angebot der Hochschulen hier ausgesprochen mager.
In einem Punkt sind sich beide jedoch auch weiterhin nicht grün: Der DIHK drängt massiv auf die Einführung des Titels "Bachelor Professional" für Meister und Techniker. Die Rektoren verteidigen das Exklusivrecht für die Vergabe des akademischen Titels.


