Praxisgebühr soll durch Hausarzt-Modell abgelöst werden
Krankenkassen erwägen Abschaffung der umstrittenen Praxisgebühr

Als erste Krankenversicherung will die Barmer die Praxisgebühr für alle Patienten abschaffen und das Hausarzt-Modell einführen. Die Berliner AOK will bis Jahresende nachziehen. Die DAK überlegt noch.

HB BERLIN. Die Barmer-Krankenkasse hat vier Monate nach Einführung der umstrittenen Praxisgebühr entschieden, diese noch in diesem Jahr wieder abzuschaffen. Die Versicherung habe bereits einen entsprechenden Vertrag mit dem Deutschen Hausärzteverband abgeschlossen, sagte die Sprecherin der größten deutschen Krankenkasse, Ursula Bertels, dem «Westfalen-Blatt» vom Samstag.

Neben der Barmer will auch die Berliner AOK ihren Versicherten noch in diesem Jahr eine Alternative zur Praxisgebühr anbieten. AOK-Vorstandschef Rolf Dieter Müller sagte dem «Berliner Kurier am Sonntag», bereits seit Anfang Januar seien Diabetes- und Brustkrebskranke von der Gebühr befreit, wenn sie sich an speziellen Behandlungsprogrammen beteiligten. Es werde geprüft, auch für Herz-Kreislaufkranke eine vertragliche Regelung zu finden. «Darüber hinaus bemühen wir uns darum, allen weiteren Versicherten noch in diesem Jahr ein Hausarztmodell anzubieten», sagte Müller weiter.

Beim Hausarzt-Modell müssen Patienten dann keine Praxisgebühr mehr bezahlen, wenn sie sich dazu verpflichten, im Krankheitsfall immer erst zu ihrem Hausarzt zu gehen. Dieser würde dann wenn nötig eine Überweisung zum Facharzt veranlassen. Auch die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK), mit knapp acht Millionen Versicherten die zweitgrößte in Deutschland, diskutiert laut einer Mitarbeiterin des Verbandes der Ersatzkassen bereits die Einführung des Hausarzt-Modells. Die AOK Westfalen-Lippe will zunächst Ergebnisse eines Modellversuchs in Baden-Württemberg abwarten. Ein Sprecher sagte , sollte dieser Versuch erfolgreich sein, wolle auch die westfälische AOK die Praxisgebühr mit Hilfe des Hausarzt-Modells abschaffen.

Das Bundesgesundheitsministerium begrüße die Initiativen, sagte eine Sprecherin. Wenn das Hausarzt-Modell so effizient sei, dass die Kassen ihren Versicherten die Praxisgebühr erlassen könnten, «zeigt dies, dass Bewegung ins System kommt». Die Praxisgebühr von jeweils zehn Euro für den ersten Arztbesuch im Quartal war zum Jahresbeginn eingeführt worden. Das entsprechende Gesundheitsreformgesetz räumt den Krankenkassen aber die Möglichkeit ein, das Hausarzt-Modell als Alternative anzubieten.

Kritik an den Plänen der Barmer kam von der FDP. Deren Gesundheitsexperte Detlef Parr wandte sich besonders gegen eine damit verbundene Einschränkung der freien Arztwahl.

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