Preissenkungen
Experten sehen Spielraum für sinkende Gaspreise

Die weltweiten Gaspreise sinken, doch der Verbraucher profitiert nur teilweise. Die Gasversorger geben die niedrigen Preise nämlich nicht in vollem Umfang weiter. Ein Expertengutachten kommt zu dem Ergebnis, dass die Verbraucher derzeit 1,6 Milliarden Euro zuviel bezahlen.

BERLIN. Die Gasversorger haben ihre Preisvorteile beim Einkauf in den ersten beiden Quartalen nur zur Hälfte an ihre Kunden weitergereicht. Auf das Jahr 2009 hochgerechnet ergeben sich dadurch für die Verbraucher Mehrkosten in Höhe 1,6 Mrd. Euro. Das ist Ergebnis eines Gutachtens des Energieexperten Uwe Leprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes sowie des Energiehändlers Gunnar Harms. Leprich und Harms haben die Studie, die dem Handelsblatt vorliegt, im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen angefertigt.

Nach Angaben von Leprich und Harms haben die Gasversorger für das zweite Quartal 2009 im Durchschnitt Preissenkungen in Höhe von rund zwölf Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2008 angekündigt. Dies entspreche nur 50 Prozent des Preissenkungspotenzials von 24 Prozent. Allein im ersten Halbjahr resultieren daraus laut Gutachten ungerechtfertigte Mehrerlöse von mehreren hundert Mio. Euro – aufs Jahr gerechnet ergibt sich der Betrag von 1,6 Mrd. Euro. Für einen durchschnittlichen Privatverbraucher errechnen sich daraus in diesem Jahr Mehrkosten von 150 Euro ohne Umsatzsteuer.

Die Gutachter haben die Endkundenpreise von fünf Gasversorgern ausgewertet und sie mit den Gasimportpreisen verglichen. Die für die Endverbraucher nur schleppende Preisanpassung nach unten ist nach Überzeugung der Gutachter ein Indiz dafür, dass der Wettbewerb nicht funktioniert. Marktbeherrschende Akteure sollten kurzfristig große Mengen ihres verfügbaren Erdgases frei auktionnieren, schlagen die Autoren vor.

Bärbel Höhn, Fraktionsvize der Grünen, kritisiert, der Wettbewerb auf dem Gasmarkt entwickle sich nur zögerlich, weil die Bundesregierung die Auseinandersetzung mit den Platzhirschen scheue. „Dabei wäre mehr Wettbewerb und damit sinkende Gaspreise ein wirkliches Konjunkturprogramm und kein reines Strohfeuer wie die Abwrackprämie“, sagte Höhn.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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