Presseplätze für NSU-Prozess
„Das ist doch absurd“

Nicht die „Welt“ oder „SZ“ haben einen begehrten Plätze beim NSU-Prozess ergattert. Sondern ausgerechnet das Frauenmagazin Brigitte. Die Reaktionen im Netz schwanken zwischen Witz und Protest.

Düsseldorf„Trendfarbe: Braun. Acht Seiten Modetipps vom Insider“, prangt in weißen und braunen Lettern auf dem gefakten Cover der Frauen- und Modezeitung „Brigitte“. Als Model muss Beate Zschäpe, das mutmaßliche Mitglied der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) herhalten. Das Titelbild ist natürlich nicht echt, die FDP hat es auf ihrer Facebook-Seite gepostet. Der Gedanke dahinter ist klar: Ist es richtig, dass die Redaktion eines Modemagazins beim Prozess vertreten sein wird, andere Medien aber nicht?

Denn heute hat das Oberlandesgericht München die Presseplätze im NSU-Prozess neu verlost. Der Hintergrund: Viel zu viele Journalisten wollen am NSU-Prozess teilnehmen. Doch es gibt im Gerichtssaal nur Platz für 50 Medienvertreter - und zwingend müssen auch ausländische Medien die Möglichkeit haben, den Prozess zu verfolgen. Also wurden die wenigen Plätze verlost.

Und wie das bei Verlosungen so ist, hatte jeder, der sich beworben hatte, eine Chance auf einen Platz. Und der Zufall wollte es eben, dass einige Medien dabei leer ausgingen, die jedoch unbedingt dabei sein wollten. Und andere einen Platz ergattern konnten, an die man bei politischer Berichterstattung vielleicht nicht als allererstes denken würde. Dazu zählt zum Beispiel das Magazin „Brigitte“, aber auch das Anzeigenblatt „Hallo München“.

Und genau darüber regt sich „Welt“-Chefredakteur Jan-Eric Peters per Facebook auf: „Der wichtigste Prozess in diesem Jahr in Deutschland, und die drei großen überregionalen Qualitätszeitungen des Landes sind anders als etwa das Anzeigenblatt 'Hallo München' ausgeschlossen – das ist doch absurd. Wir prüfen eine Klage.“ Und weiter kommentiert Peters: „Ich kann bei aller Liebe zu kleinen Titeln und Spartenmedien nicht wirklich lachen, dass statt SZ, FAZ und Welt nun das lokale Anzeigenblatt „Hallo München“, die polnischsprachige Redaktion von Radio Lora München und ebru TV, ein Sender der türkisch-islamischen Gülen-Bewegung, beim wichtigsten Prozess des Jahres in Deutschland dabei sind.“

Doch unter den Medien die einen Platz ergattern konnten, sind durchaus überregionale Medien, wie bespielweise die „ARD“, das „ZDF“, „Spiegel“, „Focus“ und „Bild“.

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