Presseschau
Auslandspresse nimmt Einigung positiv auf

Während der Koalitionsvertrag in Deutschland von vielen Seiten kritisiert wird, ist die Einigung auf eine große Koalition in Berlin von den Zeitungen im Ausland zumeist positiv aufgenommen worden. Von einem historischen Schritt bis zum Mindestmaß an Unruhe ist die Rede. Eine Übersicht:

Corriere della Sera (Mailand): „Es handelt sich um einen historischen Schritt für die Bundesrepublik, die in einer der schwierigsten Phasen der Nachkriegszeit nun die Kraft und die Vernunft findet, die ökonomische und soziale Krise geeint anzugehen. Zugleich hat sich eine Revolution ohne Beispiel vollzogen, der durch den Aufstieg von Angela Merkel ins Kanzleramt symbolisiert wird. Sie ist die erste Frau sowie die erste Person, die aus dem ehemaligen Ostdeutschland kommt, die nun den Posten einnimmt, den einst Konrad Adenauer und Willy Brandt besetzt hatten.“

La Repubblica (Rom): „Sie haben es geschafft. (...) Die Einigung war schwierig gewesen. Es gibt nicht nur leichte Versprechen, es werden Schweiß und Tränen verlangt. (...) Im alten Kontinent Europa, der derzeit von Krisen gekennzeichnet ist, (...) versucht Deutschland jetzt den Aufschwung im Zeichen der nationalen Einheit.“

Financial Times (London): „Zwei Monate nach nicht eindeutigen Wahlen ist die Vereinbarung ein fein kalibrierter Kompromiss zwischen den rivalisierenden Parteien der Sozialdemokraten und der Christdemokraten.“

Le Figaro (Paris): „Das Programm der großen Koalition ist bedauerlicherweise sehr bescheiden. Doch dies ist kein Beweis für die Handlungsunfähigkeit in Deutschland, im Gegenteil. Unser großer Nachbar hat mit einem Mindestmaß an Unruhe einen radikalen politischen Übergang geschafft (...). Eine neue Generation hat die Kommandoposten übernommen (...) Während in Frankreich, Großbritannien und Italien ein schwieriger und schmerzhafter Übergang bevorsteht, hat Deutschland es schon geschafft.“

Dernières Nouvelles D'Alsace (Straßburg): Trägt diese Vereinbarung schon den Keim des Scheiterns in sich? Nicht unbedingt. Der erzielte Kompromiss konnte kaum mehr als eine Verbindung von Elementen aus den Wahlprogrammen beider Seiten sein, ein klug ausgetüfteltes Gleichgewicht, das jedem Partner Gesichtsverlust erspart und das grüne Licht der Parteibasis ermöglicht. Mehr als die Einzelheiten dieses 100-Seiten-Katalogs wiegt der Wille der Partner, in Deutschland gemeinsam für neues Vertrauen zu werben und die Interessen des Landes über die der Parteien zu stellen. Für Angela Merkel wird es nur eine kurze Schonfrist geben. Die Wähler werden sie nach ihren Taten beurteilen, und das ziemlich schnell.“

Tages-Anzeiger (Zürich): „Noch bevor die Regierung gewählt ist, macht sich in Deutschland Katzenjammer breit. (...) Die Lust am Schlechtreden zertritt jede aufkeimende Hoffnung, noch bevor klar ist, was aus der Pflanze werden könnte.“

Luxemburger Wort (Luxemburg): „Angesichts der völlig verfahren scheinenden Lage nach den Bundestagswahlen ist dies eine erfreuliche Nachricht nicht nur für die Bundesrepublik, sondern ebenso für seine Nachbarn. (...) Diese große Koalition war ursprünglich nicht gewollt, wie CSU-Chef Edmund Stoiber gestern festhielt. Doch vielleicht gerät die Not, konträre Standpunkte zu überbrücken, am Ende noch zur politischen Tugend.“

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