Private Arbeitsvermittler
„Der hat einfach keinen Bock“

Private Arbeitsvermittler sind für Arbeitslose oft die letzte Hoffnung. Doch das Geschäft ist zäh – wie ein Beispiel aus Thüringen zeigt.

GERA. Als Frau Braun aus dem Büro von Lars Naundorf, 31, tritt, blickt sie zuversichtlich. Das könnte noch klappen mit einem Job. Minuten zuvor sitzt sie in dem sonnendurchfluteten Eckladen. Über der Tür ein großes gelbes Schild, auf dem „no limits! gute Arbeit“ steht. Im Fenster hängt eine Zahl: 73 freie Stellen hat die private Arbeitsvermittlung zu besetzen. Das Wetter lädt eigentlich ein, zum See rauszufahren. Doch die zierliche Frau im Jeansanzug hört sich Sätze an wie: „Und weil Sie drei Kinder haben, sind Sie flexibel.“

Der mittelgroße Mann, der mit seinem schwarzen Anzug und der blauen Krawatte auch gut in einer Bank arbeiten könnte, weiß ganz genau, dass es schwer wird für die gelernte Restaurantfachfrau, einen Job zu finden. Gerade aber in Städten wie Gera, in denen jeder Fünfte arbeitslos ist, bieten private Vermittler, die wie Naundorf oft noch unkonventionelle Wege einschlagen, die letzte Chance, wieder einen Job zu finden. Und auch die Politik erhofft sich von der privaten Konkurrenz zu den oft überbürokratisierten staatlichen Arbeitsagenturen neue Impulse. „Dadurch entsteht mehr Wettbewerb bei der Vermittlung“, sagt etwa Klaus Brandner, der arbeitsmarkt- und sozialpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.

Naundorf vermittelt unter den fast fünf Millionen Jobsuchenden auch Langzeitarbeitslose, was viele seiner privaten Konkurrenten aus Kostengründen ablehnen. Sein Angebot jedenfalls scheint zu stimmen, die lokale Wirtschaft lobt ihn: „Die vom Arbeitsamt schicken mir alle Möglichen her, und ich habe dann die Auswahlarbeit“, sagt Volker Thorey, der in Gera eine Textilveredelungsfabrik aufgebaut hat und aus Gewohnheit immer noch den alten Namen der Agentur für Arbeit ausspricht. Thorey sagt: „Mit dem Arbeitsamt läuft nicht viel. Das ist zum Verzweifeln: Das mal jemand von denen zu mir kommt und mit mir redet ...“ Inzwischen sucht er seine Kandidaten mit Hilfe Naundorfs. Dass dessen Geschäft gleichwohl noch immer zäh läuft, zeigt ein ganz normaler Arbeitstag.

Mit dem Lebenslauf von Kundin Braun, 27, ist Naundorf an diesem Morgen überhaupt nicht zufrieden. Gerade mal die wichtigsten Stationen stehen auf dem Zettel. Zaghaft antwortet die Frau mit dem Piercing links über der Lippe auf jeden Vorschlag. Naundorf will mehr Details, er will einfach alles wissen, was sie je beruflich gemacht hat, angefangen beim Auftragen kalter Buffets über Tischdekorationen bis hin zum Zimmermädchen in einer Pension. „Wir müssen zeigen, wo Ihre Stärken liegen. Beim nächsten Mal machen wir noch ein Foto“, sagt er und zeigt dabei auf die Bilder an der Wand gleich neben der Tür. Eine Reinigungskraft hält einen Schrubber in der Hand, ein Russischlehrer ein Wörterbuch, ein Bauarbeiter einen Zollstock und ein Koch einen Kochtopf.

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