Private-Equity-Branche
Bundesregierung bricht Lanze für „Heuschrecken“

Vor reichlich einem Jahr hatte der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering die Private-Equity-Branche massiv attackiert und Finanzinvestoren mit Heuschrecken verglichen. Nun hat die Bundesregierung, in der Müntefering heute Arbeitsminister ist, eine Lanze für Finanzinvestoren gebrochen.

HB KÖNIGSTEIN. „Wir sehen mehr Chancen als Risiken“, sagte der Ministerialdirektor für Finanzmarkt- und Währungspolitik im Bundesfinanzministerium, Jörg Asmussen, am Mittwoch auf einer Konferenz der „Financial Times Deutschland“ im hessischen Königstein. Deutschland brauche mehr Private-Equity-Investitionen. Finanzinvestoren beschäftigten derzeit bundesweit mehr als 800 000 Menschen und sorgten für rund sieben Prozent des Bruttosozialprodukts. Dieser Trend werde sich noch verstärken.

Müntefering hatte im Frühjahr 2005 erklärt, Beteiligungsgesellschaften kauften Firmen, ernteten diese ab und zögen dann weiter. Ministerialdirektor Asmussen betonte, Private-Equity habe auch Risiken, die nicht übersehen werden dürften. Als Beispiel nannte er die häufig hohe Belastung übernommener Firmen mit Krediten, die dann von den Banken an Kapitalmarkt-Investoren weitergereicht würden. Damit sei das Risiko aber kaum noch zu überschauen. Zudem zögen Finanzinvestoren immer häufiger bereits bald nach dem Einstieg ihr Eigenkapital zu einem Großteil wieder aus gekauften Firmen ab und ersetzten dies durch Kredite. Private Equity sei „die Bereitstellung von Eigenkapital, (...) nicht die Bereitstellung von Verschuldung“, sagte Asmussen. Die Frage müsse erlaubt sein, wo Finanzinvestoren anfingen, Firmen zu „entkapitalisieren“.

Asmussen bekräftigte, die Bundesregierung wolle für die Beteiligungsbranche zusammen mit der Unternehmenssteuerreform neue Rahmenbedingungen setzen. Ein Gesetzentwurf hierfür solle vor oder nach der Sommerpause 2007 eingebracht werden, als möglichen Starttermin für das neue Regelwerk nannte er den 1. Januar 2008. Steuerliche Verbesserungen könne es dabei aber nur für so genannte Wagniskapital-Gesellschaften geben, die in junge Unternehmen investieren. Nur hier sei „ein potenzielles Marktversagen“ erkennbar, sagte er.

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