Private-Equity-Branche
Steinbrück schreckt Investoren

Die Private-Equity-Branche bangt um ihr Geschäftsmodell. Denn wenn sich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) durchsetzt, müssen Firmen künftig sogar auf ihre Zinskosten Steuern zahlen. Die Pläne treffen eine Branche, die zu den wenigen Wachstumsbereichen zählt.

fmd/jkn/pk FRANKFURT/BERLIN. Die geplante Unternehmensteuerreform könnte die Bedingungen für Finanzinvestoren in Deutschland nachhaltig verschlechtern. Denn setzt sich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) durch, müssen Firmen künftig sogar auf ihre Zinskosten Steuern zahlen – ein schwerer Schlag für die Private-Equity-Branche und ihr Modell der außerbörslichen Firmenfinanzierung. Finanzierungsexperte Oliver Felsenstein von der Sozietät Clifford Chance warnt: „Bei einer solchen Besteuerung kippt das ganze Modell. Ich würde auch Insolvenzen nicht ausschließen.“

Bei der Unternehmensteuerreform, die zum 1. Januar 2008 in Kraft treten soll, will die Regierung die Steuerlast für Kapitalgesellschaften von heute knapp 39 Prozent auf unter 30 Prozent drücken. Zur Gegenfinanzierung sollen Zinsen, Mieten, Pachten und Leasingraten teilweise steuerpflichtig werden. „Wir haben die Eckpunkte verabschiedet, jetzt wird auf Arbeitsebene entschieden, welche Gegenfinanzierung für die steuerliche Entlastung gewählt wird“, sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums. Entscheidungen seien noch nicht gefallen.

„Grundsätzlich wären alle Unternehmen davon betroffen, die irgendeine Art der Finanzierung vornehmen“, sagt Steuer- und Private-Equity-Experte Prof. Wilhelm Haarmann. Wenn Kreditkosten nur noch zum Teil abzugsfähig wären, würde das aber insbesondere Unternehmensübernahmen treffen, die stark auf den Einsatz von Fremdkapital setzen, so genannte Leveraged Buy-outs. Wenn Finanzierungskosten nur noch zum Teil vom Gewinn abgezogen werden könnten, würde sich die Finanzierungssituation verschlechtern. „Das kann zu einer enormen Belastung der Wirtschaft werden“, sorgt sich Haarmann. Ein anonym bleibender Finanzinvestor schätzt, dass die Steuerpläne bei der Rendite der Deals zu einem Verlust von bis zu vier Prozentpunkten führen können.

Die Regierungspläne treffen eine Branche, die zu den wenigen Wachstumsbereichen zählt. So haben die Finanzinvestoren nach einer Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in Deutschland so viel investiert wie nie zuvor. Die Zahl der Transaktionen stieg gegenüber dem zweiten Halbjahr 2005 um 25 Prozent auf 106, der Wert der Deals kletterte – getrieben durch den Verkauf großer Immobilienbestände – um 17 Prozent auf 20,8 Mrd. Euro.

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