Private-Equity-Manager fürchten um Ansehen des Investitionsstandort Deutschland
Beteiligungsfirmen fürchten Eskalation

Der Schaden, den SPD-Parteichef Franz Müntefering mit seinem Vergleich von Finanzinvestoren mit Heuschrecken, die über Unternehmen herfallen, sie abgrasen und dann weiterziehen, angerichtet hat, ist groß. Manager von Private-Equity-Firmen in Deutschland fürchten schon „um Leib und Leben ihrer Familien“ weil die „Debatte außer Kontrolle geraten ist“. Das sagte der Deutschlandrepräsentant eines großen ausländischen Finanzinvestors dem Handelsblatt.

HB DÜSSELDORF/FRANKFURT/M. In Paris wurde ein deutscher Beteiligungsmanager nach eigenen Aussagen auf einer Veranstaltung mit internationalen Finanzinvestoren auf die Äußerungen Münteferings angesprochen und gefragt, „ob wir bald mit einem gelben Judenstern in Deutschland herumlaufen müssen“.

Das Ansehen des Investitionsstandorts habe Schaden genommen, erklärt ein anderer Beteiligungsmanager, der in den vergangenen Jahren mehrere Milliarden Euro in Deutschland investiert hat.

John Jetter, Deutschland-Chef der US-Investmentbank JP Morgan Chase, unterstreicht die Bedeutung der Private-Equity-Häuser. „Die Finanzinvestoren haben in den letzten Jahren einen maßgeblichen Beitrag zur Restrukturierung der heimischen Industrie geleistet.“ Viele Unternehmen, die an Wettbewerbsfähigkeit verloren hätten, seien auf Vordermann gebracht worden. Gerresheimer Glas sei dafür ein Beispiel.

Wie bei Gerresheimer handele es sich bei 75 Prozent aller Käufe durch Finanzinvestoren um Abspaltungen, erklärt Freddy Strottmann, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Deloitte & Touche. Von Rosinenpickerei, so einer der öffentlichen Vorwürfe, könne also keine Rede sein. Ehemalige Konzerntöchter profitierten davon, dass sie nicht mehr von ihren Muttergesellschaften stiefmütterlich behandelt würden und nun frei entscheiden könnten.

Nach Ansicht des Hamburger Wirtschaftsprofessors Michael Adams verteidigt Müntefering mit seiner Kritik ausgerechnet die „ineffizienten Strukturen“ deutscher Unternehmen. So könnte nach jüngsten US-Untersuchungen der Börsenwert heimischer Konzerne um ein Drittel höher sein, gäbe es keine paritätische Mitbestimmung. Der Einfluss der Arbeitnehmer auf die Unternehmensführung blockiere oft die notwendige Anpassung an den Weltmarkt.

Laut Bankchef Jetter ist es ungeschickt, ausgerechnet ausländische Investoren zu verprellen. Denn gerade die seien zurzeit positiver für den Standort Deutschland gestimmt als inländische Unternehmen und investierten deshalb auch mehr.

Zu den großen Namen unter den ausländischen Adressen zählen Kohlberg, Kravis & Roberts (KKR), Apax, Carlyle, BC Partners, Advent, CVC, Permira, Saban Capital, Investcorp und Blackstone, die auch die SPD in ihrem Argumentationspapier über „Marktradikalismus statt sozialer Marktwirtschaft“ der Beteiligungsgesellschaften auflistet. Als einziges deutsches Haus von Rang gilt in der Branche Allianz Capital Partners, eine Tochter des Münchener Finanzdienstleisters Allianz.

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