Private Ersparnisse decken längst nicht alle Lücken
Nur die Wohlhabenden sorgen ausreichend vor

Es wird wieder mehr gespart in Deutschland. So viel wie seit vielen Jahren nicht mehr und mehr als in vielen anderen Ländern. Doch für die wachsenden Rentenlöcher reicht es noch lange nicht. Das zeigen neueste Statistiken und Untersuchungen.

DÜSSELDORF. Nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank legten die Deutschen im vergangenen Jahr 155 Mrd. Euro auf die hohe Kante, 1,2 Mrd. mehr als 2003. Damit haben sie im Schnitt 10,6 Prozent ihrer Einkommen abgezweigt. Ausschlaggebend für die gestiegenen Ersparnisse sei vor allem "das Bemühen um mehr private Altersvorsorge" gewesen, notiert die Bundesbank.

Doch damit ist das Risiko, dass künftig bei vielen die Rente nicht reicht, kaum geringer geworden. Denn die private Altersvorsorge wird immer mehr zu einer Zwei-Klassen-Angelegenheit. Bezieher sehr hoher Einkommen brachten es auf eine Sparquote von gut 20 Prozent, private Haushalte mit unterdurchschnittlichen Einkommen haben dagegen fast gar nichts zurückgelegt oder gar Ersparnisse aufgebraucht. Bernd Katzenstein vom Deutschen Institut für Altersvorsorge, das der Deutschen Bank nahe steht, sagt: "Knapp zwei Drittel der Erwerbstätigen sparen für die Altersvorsorge zu wenig." Der Spitzenkandidat der Grünen, Bundesaußenminister Joschka Fischer, spricht sich sogar für eine Pflicht zur privaten Vorsorge aus: "Ich wünsche mir, dass die Riester-Rente endlich verbindlich eingeführt wird", hatte er der "Bild am Sonntag" gesagt.

Lediglich das oberste Drittel der Einkommensbezieher werde im Alter gut versorgt sein, prophezeit Katzenstein, der Rest unterschätze den Bedarf im Alter und vor allem die Auswirkungen einer hohen Lebenserwartung.

Nach einer Studie des F.A.Z.-Instituts kümmerten sich erst Bezieher von Einkommen ab 1 000 Euro netto um ihre Risiko- und Altersvorsorge. "Bei vielen herrscht noch unterbewusst der Glaube, dass der Staat für sie sorgen werde", sagt Katzenstein.

Das aber wird der Staat kaum noch können. Deutschland überaltert stärker als andere Länder. Weil zu wenig Kinder geboren werden und ein Berufstätiger für immer mehr Rentner aufkommen muss, müssten hier zu Lande von der Sparquote zehn Prozent als "unterlassene Investition in Humankapital" abgezogen werden, errechnete Ökonom Axel Börsch-Supan von der Universität Mannheim. Außerdem glaubt er, dass ineffiziente Immobilienmärkte und vergleichsweise geringe Renditen auf den deutschen Kapitalmärkten noch einmal für Verzerrungen gegenüber anderen Ländern sorgten.

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