Das Besondere an dem neuen Unternehmen: Die Gesellschafter kombinieren soziale Verantwortung und Unternehmergeist. Sie wollen Langzeitarbeitslose wieder in Lohn und Brot bringen – und damit selbst Geld verdienen. IHP ist ein Dienstleister für andere Unternehmen, nimmt ihnen Tätigkeiten ab, die nicht zu deren Kerngeschäft gehören – zum Beispiel Hausmeister- und Reinigungsjobs. 130 zuvor arbeitslose Menschen beschäftigt IHP inzwischen.
BP-Manager Suresch ist erster und derzeit wichtigster Kunde von IHP. Ehemalige Langzeitarbeitslose pflegen die Grünanlagen der Raffinerie, putzen die Waschkauen und halten die Werksfahrräder in Schuss. Schon von weitem sind die IHP-Leute zu erkennen: „Echte“ BP-Mitarbeiter tragen blaue Arbeitsoveralls, IHP-Beschäftigte dagegen sind ganz in Grün gekleidet.
Klaus Herbers ist einer von ihnen. Der 49-jährige ausgebildete Elektriker hatte zuletzt als LKW-Fahrer gearbeitet, bis sein Arbeitgeber Pleite ging. Drei Monaten stand er auf der Straße, bis er bei IHP anheuerte. Zum ersten Mal seit gut zehn Jahren arbeitet er dort wieder in seinem erlernten Beruf – Herbers wartet bei BP Klima- und Lüftungsanlagen und erledigt einfache elektrische Instandsetzungsarbeiten. „Ich bin heilfroh, dass ich das LKW-Fahren hinter mir habe“, sagt er.
In die gängigen Schubladen will das Konzept der Lingener IHP nicht so richtig passen. Das Unternehmen ist keine Personal-Service-Agentur – die Mitarbeiter erledigen zwar Aufträge anderer Unternehmen, IHP hofft aber nicht, dass sie dort übernommen werden. „Wir wollen unsere Leute auf Dauer bei uns halten“, betont Mainka. IHP ist auch keine klassische Leiharbeitsfirma – die Beschäftigten sollen nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft bei den Auftraggebern arbeiten. Und IHP ist auch keine Beschäftigungsgesellschaft – es schickt Arbeitslose nicht in bezahlte Weiterbildungskurse, sondern qualifiziert sie auf eigene Kosten. „Das Unternehmen wird nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt“, betont IHP-Geschäftsführer Holger Zaß. „Unsere Gesellschafter schießen keine Gelder zu.“ Von den 100 000 Euro Grundkapital abgesehen, mit denen sie das Unternehmen zum Start ausgestattet haben.
Die örtliche Politik ist von der Initiative begeistert. Sie sei ein gutes Beispiel dafür, „wie Regionen selbst ihr Schicksal in die Hand nehmen können“, sagt Landrat Hermann Bröring. Was die Unternehmer mit IHP auf die Beine gestellt hätten, habe Vorbildcharakter.
So einfach wird sich das IHP-Modell allerdings kaum kopieren lassen. Denn es sind erst einige regionale Besonderheiten, die das Projekt möglich gemacht haben. Traditionell gibt es im Emsland ein enges Beziehungsnetzwerk zwischen Unternehmen, Gewerkschaften und Politik. „Man kennt sich hier und vertraut sich“, sagt IG-BCE-Bezirksleiter Peter Wind. „Wenn es Probleme gibt, dann setzt man sich bei einem Glas Bier zusammen, und wenn man sich geeinigt hat, besiegelt man das per Handschlag“, berichtet Wind, der auch im Beirat von IHP sitzt, ebenso wie Lingens Bürgermeister und der Landrat.
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