Hinzu kam eine besondere Situation in der örtlichen BP-Raffinerie, die den Anstoß für die IHP-Gründung gab: Im Herbst 2006 stand eine Totalrevision des Werkes an – ein „Stillstand“, wie es im Fachjargon heißt. Mehr als einen Monat lang wird die gesamte Produktion heruntergefahren, sämtliche Anlagen werden auseinander geschraubt, gewartet und wieder zusammengesetzt. Eine Mammutaufgabe, die alle fünf Jahre ansteht und für die BP mehr als 3 000 zusätzliche Leute braucht. Früher heuerte die Raffinerie dafür ausländische Leiharbeiter an. „Da gab es immer wieder Probleme, die Qualität der Arbeitskräfte war nicht befriedigend“, erzählt Suresch.
Viele verstanden kein Wort Deutsch, nahmen es mit den Sicherheitsvorschriften auf dem Raffineriegelände nicht so genau, arbeiteten unzuverlässig. „Dieses Mal haben wir uns daher gefragt, ob wir einen Teil der Tätigkeiten nicht mit Arbeitslosen aus der Region erledigen können“, erzählt Suresch.
Der Manager machte die Probe aufs Exempel: Rund ein Jahr vor dem „Stillstand“ stellte er 150 Langzeitarbeitslose ein, zunächst befristet auf ein halbes Jahr. „Wer sich bewährte, dessen Vertrag haben wir um neun Monate verlängert.“ Während des „Stillstands“ arbeiteten die einstigen Arbeitslosen als Sicherungsposten, als Reinigungskräfte und als Handwerker. Suresch: „Mit fast allen haben wir gute Erfahrungen gemacht.“
Einer, der so zu einem festen Arbeitsplatz kam, ist Michael Köhne. 39 Jahre alt, keine Berufsausbildung, fünf Jahre ohne Job. Auch nach einem Jahr hat Köhne das Datum, an dem sich das änderte, auf den Tag genau im Kopf. „Das war der 16. Juli 2006“, sagt der schmächtige, blonde Mann. Jeden Tag putzt er seitdem in der Raffinerie die Toiletten, Duschen und Umkleideräume der Erdölarbeiter. Kein angenehmer Job, dicke blaue Handschuhe, die bis zu den Ellenbogen gehen, sind Köhnes wichtigstes Arbeitsutensil.
Dem 39-Jährigen macht das nichts aus. Auch dass er um fünf Uhr morgens aufstehen und eine Dreiviertel-Stunde zur Arbeit radeln muss, ist ihm egal. „Ich bin einfach nur froh, dass ich wieder Arbeit habe und nicht zu Hause rumhängen muss.“
Den letzten Job auf dem Bau hatte er 2001 durch eine längere Krankheit verloren, danach mal einen Aushilfsjob ergattert und ansonsten ehrenamtlich gearbeitet. Als Köhne hörte, dass BP für die Revision Leute sucht, hat er sich beworben – eigentlich nur für einen 400-Euro-Job. „Damit wäre ich schon voll zufrieden gewesen. Als die mir eine volle Stelle anboten, standen mir fast die Tränen in den Augen“, erzählt der Mann mit den imposanten Tätowierungen auf den Oberarmen.
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