Privatversicherungen greifen GKV an
Zahnversicherung wird für viele billiger

Die privaten Krankenversicherungen wollen ab 2005 zur Absicherung des Zahnersatzes zum Teil deutlich günstigere Angebote als die gesetzlichen Krankenkassen machen. „Für Versicherte, die nachweislich gesunde Zähne oder eine Vollsanierung ihres Gebisses bereits hinter sich haben, können wir sehr günstige Tarife anbieten,“ erklärte Sybille Sahmer, stellvertretende Direktorin des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV) dem Handelsblatt.

BERLIN. Ab nächstem Jahr müssen die rund 70 Millionen gesetzlich Versicherten den Zahnersatz separat absichern. Tun sie nichts, kommen sie automatisch in einen einheitlichen Zusatztarif der gesetzlichen Krankenkassen. Die Union hat jedoch bei den Konsensverhandlungen durchgesetzt, dass jedes GKV-Mitglied das Zahnersatzrisiko auch privat absichern kann.

„Da setzen wir an,“ erklärte Sahmer. „Nachdem der Gesetzgeber unser Angebot verworfen hat, alle gesetzlich Versicherten zu einem Einheitstarif von 7,50 Euro inklusive einer kostenfreien Mitversicherung von Kindern bis 20 Jahre gegen das Zahnersatzrisiko abzusichern, können wir jetzt individuell kalkulierte Risikotarife anbieten. Die werden zum Teil deutlich unter 7,50 Euro liegen.“

Die Krankenkassen hatten noch im Sommer 2003 bei einer Anhörung den Preis für einen einheitlichen GKV-Zahnersatztarif mit 4,60 Euro inklusive Verwaltungskosten angegeben. In der Endphase der Konsensgespräche war die Rede von 6 Euro. In der vergangenen Woche hatten verschiedene Kassen Prognosen von sechs bis zehn Euro angegeben.

Begründet wurden die höheren Beitrage damit, dass die Verwaltungskosten bei Zahnersatz wegen des hohen Beratungs- und Prüfaufwands höher seien als bei anderen Kassenleistungen. Zusätzliche Bürokratiekosten entstehen auch durch den neuen Finanzausgleich, über den die unterschiedlichen Risikostrukturen der Kassen in Sachen Zahnersatz ausgeglichen werden sollen. CDU-Sozialexperte Andreas Storm kündigte an, man werde die GKV-Tarife sorgfältig prüfen. „Kosten von sieben, acht und neun Euro erscheinen mir wenig plausibel,“ sagte er dem Handelsblatt.

„Wir werden uns bemühen, mit sechs Euro auszukommen,“ verspricht Florian Lanz vom Bundesverband der Betriebskrankenkassen. Sollte die PKV niedrigere Tarife anbieten, bestünde in der Tat die Gefahr, „dass gerade gesunde Versicherte ohne Kinder uns den Rücken kehren,“ warnt der Kassenexperte. „Wir hätten einen klassischen Entsolidarisierungseffekt.“ Je mehr Gesunde den GKV-Tarif in Richtung Private verließen, um so höher würde der Beitrag steigen müssen, um die Kosten zu decken. Diese Entwicklung hätte der Gesetzgeber zu verantworten, heißt es bei der PKV. „Wir haben von Anfang an vor einer Zwitterlösung gewarnt und unsere Zweifel an der Beiragskalkulation der Kassen angemeldet“ erklärte Sahmer.

Bislang hat allerdings noch keine Privatversicherung ein entsprechendes Angebot gemacht. Die gesetzlichen Kassen müssen bereits zum 1. Oktober ihren Tarif vorlegen. Außerdem sollen sie eine neue Gebührenordnung verabreden. Bislang erhalten die gesetzlich Versicherten Zuschüsse von bis zu 60 % für eine Standardversorgung. Ab 2005 soll es befundorientierte Festzuschüsse geben. Die erste Verhandlungsrunde über die neuen Festzuschüsse zwischen Kassen, Zahnärzten, Sozialministerium und Patientenvertretern fand in der vergangenen Woche statt. Ob die Gespräche bis Oktober abgeschlossen werden können ist offen. „Das Zeitplan ist durchaus ehrgeizig,“ meint Martin Plass vom federführenden Ersatzkassenverband.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%