"Probleme werden abgeschoben"
OECD-Experte kritisiert deutsches Schulsystem

Mit Blick auf die jüngsten Pisa-Ergebnisse hat der Pisa-Koordinator der OECD, Andreas Schleicher, das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland kritisiert.

HB BERLIN. In den erfolgreichen Bildungsnationen seien die Schulen dafür verantwortlich, "die verschiedenen Fähigkeiten und Interessen der Schüler kreativ zu nutzen" - in Deutschland hingegen würden "die Probleme einfach auf Schulformen mit geringeren Anforderungen abgeschoben", sagte der OECD-Bildungsexperte dem Handelsblatt. "Mit dieser Nivellierung des Horizontes vieler Schüler verschenkt das Bildungssystem in Deutschland wertvolles Potenzial und wird Chancenungerechtigkeit verstärkt."

Vorab-Meldungen zufolge zeigt die nationale Pisa-Ergänzungsstudie, die am Donnerstag offiziell vorgestellt wird, dass sich das soziale Gefälle noch verschärft hat. Zudem "zeigen uns Länder wie Finnland, Japan oder Kanada, dass Spitzenleistungen und Qualität in der Breite gut miteinander vereinbar sind", fügte Schleicher hinzu. In Deutschland hingegen ist die Chancenungleichheit gerade in den Bundesländern besonders hoch, die bei der Gesamtleistung besonders gut abschnitten. Das gilt vor allem für Spitzenreiter Bayern. "Ein Land wie Deutschland muss soviel besser sein wie es teurer ist", mahnt der OECD-Experte, "Chancenungerechtigkeit kann sich auf Dauer keine moderne Gesellschaft leisten."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%