Produktkennzeichnung
Aigner kämpft gegen Etikettenschwindel

Mit einem Internetportal will Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner gegen Produkte vorgehen, deren Inhalt nicht das hält, was die Verpackung verspricht. Verbraucher sollen den Etikettenschwindel der Hersteller dort öffentlich machen. Industrievertreter befürchten einen Internet-Pranger.
  • 4

HB BERLIN. Verbraucher sollen künftig die Namen irreführend etikettierter Lebensmittel auf einer offiziellen Internetseite veröffentlichen können. „Wir müssen dem Etikettenschwindel Einhalt gebieten“, sagte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) der „Bild am Sonntag“. „Wir wollen Dialog und keinen Pranger“, erläuterte ihr Sprecher Holger Eichele am Sonntag in Berlin.

Die Verbraucherzentrale Hessen soll dem Bericht zufolge im Auftrag des Ministeriums im kommenden Frühjahr mit einer entsprechenden Internetseite online gehen. Verbraucher sollen dort Produkte benennen können, die ihrer Meinung nach nicht das enthalten, was Aufmachung oder Angaben versprechen. Verbraucherschützer sollen die Fälle prüfen und kommentieren, die Unternehmen dazu Stellung nehmen können.

„Es soll ein Portal sein, mit dem man sich austauscht“, sagte Aigners Sprecher. Entscheidend sei, dass dies in fachkundig moderierter Form geschehe. So soll nach Angaben aus Regierungskreisen ermittelt werden, welche Kennzeichnung von den Verbrauchern als irreführend bewertet wird. Die bestehenden Regelungen zur Kennzeichnung und Aufmachung der Produkte hält die Regierung für so kompliziert, dass viele Verbraucher sie offenbar nicht verstünden.

Ziel sei es nun, mit dem Portal einen Diskussionsprozess zwischen Verbraucher, Wirtschaft und Lebensmittelüberwachung zu etablieren. „Ich will den Dialog zwischen Verbrauchern und Wirtschaft ausbauen“, sagte die CSU-Politikerin. „Es geht um die Zweifelsfälle“, erläuterte Eichele. Industrievertreter zeigten sich skeptisch und warnten in dem Blatt davor, die Plattform schaffe mehr Verunsicherung als Klarheit.

Aigner mahnte die Lebensmittelproduzenten, technische Neuerungen nicht zur Täuschung zu missbrauchen. Klebeschinken oder Analogkäse seien Beispiele dafür. Bei den Fällen eindeutiger Täuschung fordert die Ministerin ein strengeres Vorgehen. Hier müssten die Länderbehörden konsequenter einschreiten.

Kommentare zu " Produktkennzeichnung: Aigner kämpft gegen Etikettenschwindel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Tja, es wird Zeit für einen solchen Pranger.
    Eigentlich ist das noch viel zu wenig - die Unternehmen müssten ihre Existenz verlieren wenn sie bei unlauteren Manipulationen erwicht werden.

    Über viele viele bürger die ihre Gesundheit einbüssen weil wir fast nur noch designte Nahrung zu ..essen bekommen redet nämlich keiner.

    Das darf so nicht weiter gehen mit der Wirtschaft die die Errungenschaften fast komplett wieder drauf treibt.

  • ich kann nur sagen, dass Foodwatch nicht nur ein sehr kritischer Verein ist und Lebensmittelskandale aufdeckt, sondern auch mit Aktionen den Herrschaften in berlin mal Dampf unter dem Hintern macht und dann ausserdem dafür sorgt, dass die Medien darüber berichten. Was unsere Verbraucherministerin da abliefert, sind wieder nix anderes als Lippenbekenntnisse. Wer wirklich informiert sein will, wie Uranhaltig sein Mineralwasser ist und eher informiert sein will, wenn sich der nächste Lebensmittelskandal zusammen braut, der sollte Foodwatch beitreten.

  • Solche Seiten gibt es im Netz. Natürlich nicht von staatlicher Seite, das würde schiefgehen, dort gibt es andere interessen, die der Wirtschaft. Und ein fachkundig moderiertes Forun läßt befürchten, daß wiedermal keine echte Kritik geduldet wird.

    Ein Lebensmittelskandal jagt den nächsten, Konsequenzen Fehlanzeige.
    Wenn fast alle Verbraucher Kunstkäse ablehnen, kann doch nur eine entsprechende Knnzeichnung die Konsequenz sein. bei genverseuchten Lebensmitteln gilt Gleiches.

    Aber in diesem Staat werden von der Regierung nur die interessen der Wirtschaft verteten, bürgeinteressen bleiben außen vor.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%