Professor Lauterbach wundert sich als Quereinsteiger über den Parlamentsalltag
Der fremde Stern

Als multifunktionaler Berater und oberster Propagandist der Bürgerversicherung zieht Karl Lauterbach seit Jahren virtuos politische Strippen. Jetzt ist er Mitglied des Bundestags - und wundert sich als Quereinsteiger über den Parlamentsalltag.

BERLIN. Der Empfang der neuen Kollegen verlief eher unterkühlt. Karl Lauterbach hatte seine Sachen auf einem freien Stuhl in der zehnten Reihe des SPD-Fraktionssaals abgelegt und war kurz vor die Tür gegangen. Als der Professor zurückkehrte, beförderte gerade ein Abgeordneter unsanft seine Tasche auf den Boden. "Hier sitze ich", erklärte er zur Begründung. Lauterbach könne den Platz gerne in der nächsten Legislaturperiode übernehmen. Da dämmerte dem Direktor des Kölner Instituts für Gesundheitsökonomie, dass das parlamentarische Leben eigenen Regeln folgt.

Seit zwei Wochen hat "Lauterbach, Prof. Dr. Karl" in Kürschners Volkshandbuch des Deutschen Bundestages ein Sternchen vor dem Namen. Das bedeutet, dass er seine erste Legislaturperiode antritt. Auf Anhieb hat der 42-jährige Harvard-Absolvent den Wahlkreis Leverkusen - Köln IV direkt gewonnen. Fraktionschef Müntefering hat ihm gratuliert. "Müntefering, Franz" krönen neun Sternchen im Kürschner.

Ein typischer Quereinsteiger ist Lauterbach nicht. Als multifunktionaler Berater und oberster Propagandist der Bürgerversicherung zieht der Mann mit der Nickelbrille seit Jahren virtuos politische Strippen. Sein mobiler Organizer muss mehr Anrufe verarbeiten als manches Call-Center eines Mittelständlers. In Berlin verabredet er sich im Café Einstein, wo die hohe Politiker- und Journalistendichte schon beim Frühstück eines salzlosen Omeletts öffentliche Wahrnehmung garantiert.

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